Theater in Neumünster : Frikadellen-Parfum und „Hossa“

Als Studienrat räsonnierte Bernd Stelter über das Rezept einer guten Ehe – und scheiterte.
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Als Studienrat räsonnierte Bernd Stelter über das Rezept einer guten Ehe – und scheiterte.

Komiker und Moderator Bernd Stelter lieferte ein Gag-Feuerwerk zum Thema Ehe / 470 Zuschauer vergossen Lachtränen

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12. Dezember 2017, 08:45 Uhr

Neumünster | Er weiß, wovon er redet: Bernd Stelter ist seit 26 Jahren verheiratet. Ist das gut oder schlecht? Muss man die Frage stellen „Wie lange muss ich noch?“ Der Komiker und Fernseh-Moderator, der seit 25 Jahren auf Theater- und Fernsehbühnen steht, ging in seinem aktuellen Programm „Wer verheiratet ist, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte“ auf amüsante Art und Weise der Frage nach, ob Männer und Frauen zusammenpassen. Was kittet Paare so lange aneinander? Das Publikum, unter ihnen sichtlich viele Paare, kugelte sich am Sonntagabend im Theater in der Stadthalle.

Waren die Neandertaler die glücklichsten Menschen? Mit einer evolutionären Betrachtung verschiedener Ehe-Modelle ging Stelter gleich am Anfang in die Vollen: Männer schleiften einst Frauen in die Höhle, „man hatte Sex mit wem man will und wann man will“. Es folgte Schlag auf Schlag ein Plädoyer für die „Ehe für alle“, viele altbekannte Momente einer Ehe („Schatz, trink doch mal ein Glas Wasser“), Bekenntnisse eines wehleidigen Mannes („wenn ich an einer unheilbaren Erkältung leide, ziehe ich mich zum Sterben aufs Sofa zurück“) oder Tipps zum Wiederbeleben der Ehe mit „Handschellen in rosa Plüsch“ à la „Fifty Shades of Grey“ – wobei Humor zum Erfolg führte, nicht Sado-Maso oder Eisbein als Belohnung. „Soll ich meiner Frau was Feines kochen, zum Beispiel Kamillentee?“ unkte er. Aber wo steht der Tee? „Oben links. Oben. Links. Das andere Links“ – solche Spontan-Kurzwitze ernteten prustendes Gelächter. Als sauerländischer Bursche beschrieb Stelter urkomisch archaische Balzrituale mit Frikadellen-Parfum und Apfelkorn und würzte das mit Reimen: „Trägt die Bauersfrau Straps und Mieder, regen sich des Bauerns Glieder. Ist das Nachtgewand eher schlicht – dann nicht.“ Und so einiges bekam noch sein Fett weg, aber es ging nie wirklich unter die Gürtellinie, selbst im Blog einer etwas durchgeknallten Brautflüsterin nicht, aus dem er immer wieder zitierte. Stelter bekannte sich zu seiner Figur. Er gestand: „Ich bin zu faul, zu verfressen, zu dick.“ An ihm als dem „langsamsten Jogger am Rhein“ zischten die Nordic Walker und sogar eine Weinbergschnecke vorbei – das Publikum japste erneut vor Lachen. Mit Perücke und Kästner-Anti-Romanze verwandelte sich Stelter in einen Studienrat auf der Suche nach dem Rezept für eine glückliche Ehe. Doch er scheiterte: „Wenn sie die Brille absetzt, ist sie blind wie ein Maulwurf. Wenn sie das Haar offen trägt, sieht sie aus wie Günter Netzer.“

Und manchmal ist eine Ehe wie ein Schlagermove: Als DJ im Glitzersakko illustrierte Stelter die nächtlichen Aktivitäten unter der Bettdecke mit „Rattatatta“, „Dschingis-Khan“-Juchzern und Rex-Gildo-„Hossa“, „Hossa“ – und trieb den Zuhörern die Lachtränen in die Augen. Doch mal ganz ernst: Sein Tipp für eine gute Ehe waren die vier „V’“s – verstehen, vertrauen, verzeihen und verzichten.

Am Ende schlug er auch nachdenkliche Seiten an, sang über den Tod und offenbarte am Ende der drei Stunden den Clown als sein Alter Ego: „Erst wenn das Lachen stirbt, sind wir alle verloren.“ Von den 470 Zuschauern setzte es füßetrampelnden Applaus. „Er greift viele Situationen aus dem wahren Leben auf, ohne Effekthascherei“, stellten Birgit Strahl (52) und ihr Freund Sven Schümann (49) aus Neumünster fest. „Ein ganz amüsantes, unterhaltsames Programm. Man erkennt viele typische Paarsituationen wieder“, meint Hildburg Knop (62) aus Ruthenberg, die lachend gestand, „seit 36 Jahren mit demselben Mann am Stück“ verheiratet zu sein.

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