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Freundlicher Beifall für ein hektisches Stück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur 175 Besucher sahen die Musical-Comedy „Kiss Me, Kate“ im Theater in der Stadthalle / Das Bühnenbild war fantasievoll

Eigentlich sorgen Ankündigungen von Musical-Klassikern für volle Theater. Nicht so am Freitagabend, denn es stellten sich nur etwa 175 Besucher ein, die dem Gastspiel des „Euro-Studios“ nach zweieinhalb Stunden aber sehr freundlich applaudierten. „Kiss Me, Kate“, uraufgeführt 1948 in New York, ist ein Stück über das Theater auf dem Theater, zu dem Cole Porter (1891-1964) eine „immergrüne“, schmissige Musik komponierte.

Grundidee und Handlungsgerüst aber lieferte William Shakespeares Lustspiel „Der Widerspenstigen Zähmung“, das wiederum von einer Theatertruppe als musikalische Komödie mit dem Titel „Kiss Me, Kate“ geprobt wird. Die Hauptrollen spielen der „Star“ Lilli Vanessi (angenehm im Gesang Beatrix Reiterer, auch in der Rolle der Katharina) und Fred Graham (Guido Weber als etwas überdrehter „Motor“ der Aufführung und gut bei Stimme, auch in der Rolle des Petruchio). Lilli und Graham waren mal verheiratet und können es nicht lassen, während der Proben ständig Theater und Privates zu vermischen – durchaus zur Erheiterung des Publikums. Bei Shakespeare wird die widerspenstige, kratzbürstige Katharina mit sehr ruppigen Methoden von Petruchio „gezähmt“, in „Kiss Me, Kate“ erhält Lilli eine ähnlich harte Lektion von Fred.

Und auch ihre Mitspieler Lois Lane (Sophie Blümel reichlich nervig) und Bill Calhoun (präsent und elegant Marco Toth) kabbeln sich genauso wie Bianca und Lucentio bei Shakespeare. Also: „Schlag nach bei Shakespeare“! Um „Kiss Me, Kate“ adäquat umzusetzen, braucht man eine gute Mischung aus Show, Tanz, Gesang und Schauspiel; dazu viel Fantasie, Sinn für Pointen, genaues Timing, große Präzision und vor allem ein Sänger-Tänzer-Schauspieler-Ensemble, das die beachtlichen Anforderungen mit leichter Hand servieren kann. Das gelang etlichen Mitwirkenden richtig gut (z. B. Nils Schwarzenberg als Garderobiere Hattie); andere hatten noch Schwierigkeiten, Tanz, Gesang und Sprechszenen in Einklang zu bringen.

Das Publikum sah eine Inszenierung, die anfangs nicht recht zog, im zweiten Teil dann aber deutlich runder lief. Insgesamt kam die Aufführung ziemlich schrill und grell daher, verbreitete viel Hektik, ließ in dem ständigen Tumult wenig besinnliche Momente zu und neigte zum Klamauk. Doch das schien Absicht zu sein, denn die Produktion „Kiss Me, Kate“ wurde als „Musical Comedy“ angekündigt und präsentiert.

Höhepunkte waren zweifellos die genauen und „leichten“ Tanzszenen und Soloeinlagen, für die Regisseur Hardy Rudolz (ein erfahrener Musical-Spezialist) zusammen mit Marie-Christin Zeisset verantwortlich war. Besonders erfreuten die Bilder „Premierenfieber“, „Von Venedig nach Venedig“, das große Finale und die herausragende Nummer „Es ist viel zu heiß“. In Bezug auf die Musik mag im Verlauf des Abends mancher Zuschauer gedacht haben: „Es ist viel zu laut!“ Die Big-Band-Besetzung des bulgarischen Rundfunks ließ höchst selten einen Cole-Porter-Sound hören. Ein Extra-Lob gebührt der Bühnenbildnerin Eva Humburg. Ihre fantasievollen, leicht beweglichen, ins Geschehen integrierten Versatzstücke und Requisiten machten schnelle Wechsel möglich, die die Handlung permanent in Bewegung hielten.

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