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Einzelhandelskonzept : Freude bei Nortex – Sorge beim Handelsverband

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Reaktionen auf den Entscheid der Ratsversammlung zum Einzelhandelskonzept sind geteilt.

von
erstellt am 19.Sep.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster | Die am Dienstag von der Ratsmehrheit bestätigte Lockerung von Sortimentsbeschränkungen für das Modehaus Nortex am Grünen Weg hat im Handel und seinen Verbänden geteilte Reaktionen ausgelöst.

„Wir freuen uns über die starke und verlässliche Unterstützung“, sagte Kai Först von der Nortex-Geschäftsleitung. Nortex müsse sich durch den veränderten Wettbewerb und die Konkurrenz des nur wenige hundert Meter entfernten DOC breiter aufstellen. Deshalb seien die Vergrößerung des Schuhsortiments und die hochwertige Parfümerie als Frequenzbringer so wichtig. Först: „Wir benötigen eine Änderung des Bebauungsplans, und der erste Schritt dazu ist die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts.“ Wichtig ist ihm die Feststellung: „Wir schaffen keine zusätzlichen Verkaufsflächen, wir tauschen nur Sortimente aus.“

Für Dierk Böckenholt, den Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nord, hat sich Neumünster dagegen „sehenden Auges auf ganz dünnes Eis begeben“. Die Stadt habe sich durch die Rats-Entscheidung eine Steuerungs- und Entscheidungsgrundlage genommen. „Es besteht die Gefahr, dass künftige Entscheidungen nicht mehr die Rechtssicherheit haben“, sagte er und fügte hinzu: „Das macht uns Sorge. Die Planungssicherheit ist gefährdet.“

„Die Schlüssigkeit des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts ist durch diesen Ratsbeschluss insgesamt in Frage gestellt“, sagt der IHK-Geschäftsführer Rainer Bock. Er sieht das Konzept durchlöchert und damit ohne Steuerungsfunktion. Bock: „Es werden jetzt weitere Geschäfte und Grundstückseigentümer kommen und ebenfalls Ausnahmen vom Konzept fordern.“

Möbelhaus-Unternehmer Thomas Brügge bestätigte das gegenüber dem Courier. „Für Nortex ist die Situation zu begrüßen, das stellt uns aber vor neue Herausforderungen“, sagte er. Bislang sei das Einzelhandelskonzept die Richtschnur für Bebauungspläne und Sortimentsbeschränkungen gewesen. Die innenstadtrelevanten Sortimente wie Heimtextilien oder Elektroartikel sind bei Möbel Brügge bisher auf 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche beschränkt.

„Die spannende Frage lautet: Gelten die Spielregeln noch?“, sagte Brügge und kündigte an: „Meine kaufmännische Verantwortung gebietet es, jetzt den Antrag auf Ausweitung zu stellen.“

Sportartikelhändler Gerd Hauberg hatte als Untermieter des Fahrradgeschäfts Horns & Co. im Freesen-Center schon Ende der 1990er-Jahre seine eigenen Erfahrungen mit Sortimentsbeschränkungen gemacht. Die Stadt untersagte den Handel. „Ich habe es schon damals nicht verstanden, dass es Beschränkungen gibt. Wenn man das jetzt am Grünen Weg ändert, muss das auch woanders gelten“, so Hauberg.

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