SHMF : Frenetischer Beifall für großartige Weltstars

Furios und virtuos: Die Moldawin Patricia Kopatchinskaja (links)  und die Argentinierin Sol Gabetta glänzten als Duo.
Furios und virtuos: Die Moldawin Patricia Kopatchinskaja (links) und die Argentinierin Sol Gabetta glänzten als Duo.

Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta begeisterten beim Schleswig-Holstein Musik Festival in Bordesholm.

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19. Juli 2014, 08:15 Uhr

Bordesholm | Stille Begeisterung und frenetischer Applaus prägten das erste von drei Konzerten in Bordesholm im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF). Patricia Kopatchinskaja an der Violine und Sol Gabetta am Violoncello machten es dem Publikum in der ausverkauften Klosterkirche nicht leicht, setzten nicht auf Harmonie, sondern forderten die fünfhundert Besucher zum aktiven Mithören auf.

Wie oft ist er schon gespielt worden und ein Ende scheint nicht in Sicht: Johann Sebastian Bach erfeut sich in Bordesholm großer Beliebtheit. Er ist ständiger Gast bei den hiesigen Frühjahrskonzerten. Doch seine „zweistimmigen Inventionen“, eigentlich Übungsstücke für Tasteninstrumente, sind eine echte Ausgrabung im sonstigen Einerlei des Konzertbetriebs. Geschickt vom Damen-Duo in vier kleinen Häppchen in verschiedenen Tonarten in das Programm gemischt, begannen sie jeweils mit Bach-bekanntem Sound, um gleich darauf in schräg-schöne Eigeninterpretationen der virtuosen Ladies abzugleiten. Ein Stimmungswechsel, der die sonstigen Hörgewohnheiten sprengte und zum Trend des Abends wurde.

Spleenig, verkopft, ja bisweilen aggressiv anmutend gingen die zwei zu Werke, verloren sich in der eigenen Überschwänglichkeit und unterstützten dabei einander auf kongeniale Weise. Schien Patricia Kopatchinskaja aufgrund ihres Instruments im Vordergrund zu stehen, war dies nur die halbe Wahrheit: Ohne die brummigen Eskapaden von Gabettas Cello wäre das Geschehen nur halb so schön. Immer wieder entlockte die Wahlschweizerin den Saiten Töne, die man so nicht vermutet hätte. Iannis Xenakis’ „Dhipli Zyia“ betonte die Melodie des titelgebenden Zyia, einem griechischen Paartanz.

Viel Pizzicato, Töne in den höchsten Sphären und gegenseitiges Anfeuern war dann bei der „Castillo interior“-Uraufführung des anwesenden Peteris Vasks sowie bei Maurice Ravels selten gespielter „Sonate für Violine und Cello“ angesagt. Jenseits des Klassikers „Bolero“ bewegte sich der Komponist weg von vordergründiger Stimmung hin zu leichter Dissonanz. Kopatchinskaja und Gabetta setzten den Wunsch Ravels, beide Instrumente gleichwertig klingen zu lassen, grandios um.

So groß war die Anspannung, dass der nach zwei Stunden aufbrausende Applaus wie eine kalte Dusche wirkte, verbunden mit der Erkenntnis, dass dieses Damen-Duo trotz der sperrigen Thematik richtig Spaß machte.

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