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Dornröschen : Frenetischer Applaus für eine starke Aufführung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Stück „Dornröchen“ begeisterte die Zuschauer im ausverkauften Theater in der Stadthalle.

Neumünster | Es war einmal ein Königspaar, das sich sehnlichst ein Kind wünschte. Dieser Wunsch wird Realität, obwohl die Königin nicht gerade die körperliche Nähe des Gatten sucht. Groß ist die Freude über die Geburt der kleinen Prinzessin: Liebevoll kümmert sich die Mutter (gut von Anna Schumacher charakterisiert) um das Kind, der König (sehr differenziert Timo-Felix Bartels) aber entwickelt sich zum „Übervater“, der gefährliche Situationen und ihm unangenehme Menschen von seinem Töchterchen fern zu halten versucht. Er umgibt Dornröschen mit einem „goldenen Käfig“, Scharen von Ammen und Kindermädchen umsorgen das Kind, das aus goldenen Fläschchen trinkt und mit goldenen Teddybären spielt.

Diese etwas ungewöhnliche, aber verständliche und mit Ironie erzählte Szene (entnommen dem Märchen „La belle au bois dormant“ (1696) von Charles Perraults, das die Brüder Grimm in ihre Sammlung aufnahmen) eröffnete die Ballettadaption von „Dornröschen“, die Choreographin Katharina Torwesten für das Landestheater erdachte. Und wie in den vergangenen Spielzeiten konnte sie mit ihrer so harmonisch agierenden Balletttruppe und dem engagierten Orchester (Leitung: Florian Erdl; Solo-Violine: Marcus Honegger) wieder einen großen Erfolg verbuchen.

Uraufgeführt wurde das „Dornröschen“-Ballett, zu dem Peter Tschaikowsky die Musik schrieb, 1890 in St. Petersburg. Im Laufe der Jahre haben Handlung und Musik mancherlei Interpretationen erfahren, und auch das Landestheater fügte musikalisch Neues hinzu. Zusammen mit vielen Passagen der Original-Ballettmusik erklangen Auszüge aus zwei Orchesterwerken Tschaikowskys: aus der 1. Sinfonie („Winterstürme“) und der Manfred-Sinfonie. Die Mischung der drei Werke konnte überzeugen, sie „entromantisierte“ das Werk, das an Dramatik gewann.

Die Zuschauer im ausverkauften Theater in der Stadthalle waren begeistert und applaudierten allen Mitwirkenden frenetisch und lange. Der Handlungsverlauf war durch die (durchaus psychologisierende) Choreographie und die geschickt gesetzten Akzente in Bühnenbild (Erwin Bode) und Kostümen (Martina Lüpke) gut „ablesbar“ - vor allem aber durch das Können der Tänzerinnen und Tänzer in ausdrucksstarken Solo- und Ensembleszenen.

Zur Taufe Dornröschens haben die Eltern eine edle Gesellschaft geladen. Darunter auch gute Feen, die dem Kind Schönheit (Risa Tero), musisches Talent (Evilyn Vorrat) und Klugheit (ganz reizend Yuri Tamura) schenken. Der Auftritt der nicht eingeladenen Fee Carabosse (großartig Tanja Probst), begleitet vom schwarzen Frosch (akrobatisch Eygeny Gorbachev), bringt viel Unruhe in die Handlung, denn sie „schenkt“ Dornröschen einen Fluch. An ihrem 15. Geburtstag soll es sich an einer Spindel stechen und sterben. Im letzten Moment kann die Fliederfee (Anja Herm) den Fluch mildern: Dornröschen wird nicht sterben, sondern in einen hundertjährigen Schlaf fallen.

So geschieht es, und eine undurchdringliche Dornenhecke (toll realisiert!) wächst um das Schloss. Junge Helden versuchen die Hecke zu durchdringen und unterliegen, doch dem Prinzen (Enkhzorig Narmandakh verkörperte und tanzte die Rolle überzeugend) gelingt es, sie zu durchdringen und Dornröschen (bezaubernd, jungmädchenhaft Tamirys Candido) wach zu küssen. Großer „pas de deux“ des jungen Paars, Hochzeit und ein glückliches Ende, dem die zwei blauen Vögel (Anja Herm und Mario Martello Panno) noch einen tänzerischen Glanzpunkt aufsetzten.

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