Gericht : Freispruch im Schmuddelprozess

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Unappetitlicher Haufen vor der Tür brachte 31-Jährigen in Rage / Verprügelte er den Dreckspatzen? / Gericht hält Zeugen für unglaubwürdig

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17. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Im zweiten Anlauf hat das Amtsgericht an der Boostedter Straße gestern einen Prozess wegen Körperverletzung beendet, der in den vergangenen Wochen wegen seiner unappetitlichen Vorgeschichte vor allem im Vicelinviertel für Aufsehen gesorgt hatte. Das Gericht sprach den 31-jährigen Angeklagten nach kurzer Verhandlung frei, nachdem das vermeintliche Opfer und ein wichtiger Zeuge trotz Ladung auch zum zweiten Verhandlungstag nicht erschienen waren.

Der Angeklagte sollte am 1. April einen jungen Mann verprügelt haben, den er verdächtigte, kurz zuvor direkt vor seiner Wohnungstür sein großes Geschäft erledigt zu haben (wir berichteten). Der vorbestrafte Angeklagte bestritt die Prügel auch gestern vehement.

Unbestritten und durch Zeugen belegt ist, dass er am Tattag, dem 1. April, einen Freund im Haus an der Klosterstraße besucht hatte und bei seiner Rückkehr auf den stinkenden Haufen vor seiner Fußmatte gestoßen war. In seiner nachvollziehbaren Wut lief er zu seinem Nachbarn zurück , um dem „die Riesenschweinerei“ zu zeigen – und dabei auch gleich die Fahndung nach dem Dreckfinken aufzunehmen. Im Haus machte die unappetitliche Geschichte bald die Runde, der Verdacht fiel auf einen kauzigen Witzbold aus dem Viertel. Der sollte so etwas schon einmal bei einer ehemaligen Freundin im Viertel gemacht haben.

Ein Zeuge hatte den weiteren Verlauf gegenüber der Polizei so geschildert: Ein Bekannter habe den vermeintlichen Übeltäter unter einem Vorwand zurück ins Haus gelockt, damit der Angeklagte sich den Dreckspatzen vorknöpfen könne. In der Verhandlung versuchte der Zeuge zum Ärger des Gerichts jedoch, von dieser Version vorsichtig wieder abzurücken. Plötzlich wusste er das alles nicht mehr so genau.

Um Licht ins Dunkel der unappetitlichen Geschichte zu bringen, wollte der Richter gestern sowohl das vermeintliche Prügelopfer als auch den Mann hören, der es angeblich ins Haus gelockt haben soll. Beide hatten am ersten Verhandlungstag unentschuldigt gefehlt, glänzten aber auch gestern durch Abwesenheit. Das vermeintliche Opfer ist krank geschrieben, der Zeuge, der zwangsweise vorgeführt werden sollte, war für die Polizei nicht greifbar.

Das Gericht verlas ersatzweise die polizeilichen Aussagen der beiden Belastungszeugen. Weder der Staatsanwältin noch dem Richter reichte das aber für eine zweifelsfreie Verurteilung aus. Die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch aus Mangel aus Beweisen: „Wir wissen nicht, was am 1. April tatsächlich im Hausflur gelaufen ist, ob es Prügel gab oder nicht“, räumte auch der Richter in seiner Urteilsbegründung ein.

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