Gerichtsbericht : Freispruch im Nachbarschaftsstreit

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Ein 40-Jähriger stand wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz in Neumünster vor Gericht.

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18. Januar 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | „Ich spreng’ dich in die Luft!“ – Mit diesen Worten soll ein 40-Jähriger seinen Nachbarn am 7. März 2014 gegen 22.36 Uhr in einem Mietshaus an der Anscharstraße bedroht haben. Um seiner Ansage Nachdruck zu verleihen, soll er fünf nicht angezündete „Polenböller“ gegen dessen Wohnungstür geworfen haben. Da ihm die Tat nicht nachgewiesen werden konnte, wurde der Mann jetzt vor dem Amtsgericht freigesprochen.

Der Angeklagte hatte den Vorwurf von Beginn an vehement abgestritten: „Ich war zum angegebenen Zeitpunkt weder an der Wohnungstür meines Nachbarn noch im Treppenhaus, weil ich längst geschlafen habe. Ich bin erst wieder wach geworden, als die Polizei sehr grob an meine Tür geklopft und mich dann mitgenommen hat. Ich wusste überhaupt nicht, was los ist.“

Auf seinen ehemaligen Nachbarn war der Angeklagte nicht gut zu sprechen: „Seit der aus dem Knast gekommen war, herrschte nur Krieg und Ärger im Haus, er hat auch ständig laute Musik angemacht.“

Einen Abend vor dem angeblichen Vorfall soll aus diesem Grund die Polizei vor Ort gewesen sein.

„Mein Nachbar dachte, ich hätte die Beamten gerufen. Er hat mir später gesagt, dass seine Anzeige eine Racheaktion gewesen sei. Er hat eingeräumt, dass an seinen Vorwürfen gegen mich nichts dran ist und hat mir versichert, dass er die Anzeige zurückzieht“, sagte der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, der im Januar 2014 zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verurteilt worden war, weil er Briefkästen mit illegalen Böllern gesprengt hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Februar fanden die Beamten keine verfahrensrelevanten Gegenstände.

Eine Zeugin, die zum Zeitpunkt der Tat mit dem angeblichen Opfer zusammenwohnte, entkräftete die Vorwürfe gegen den Neumünsteraner. „Er hat nichts gemacht. Mein damaliger Lebensgefährte hat das nur behauptet, um ihm eins auszuwischen. Er war manchmal etwas komisch“, sagte die 37-Jährige, die inzwischen keinen Kontakt mehr zu ihrem Ex-Partner hat. An die fünf in Deutschland nicht zugelassenen Böller, die die Polizei vor ihrer Wohnungstür gefunden hatte, konnte sich die Zeugin nicht erinnern.

Der Nachbar selbst konnte vor Gericht nicht gehört werden. Er sitzt derzeit in Haft, eine Vorführung war auf die Schnelle nicht machbar.

Die Staatsanwaltschaft forderte aus Mangel an Beweisen einen Freispruch für den Angeklagten: „Ob ich überzeugt davon bin, dass sich das Ganze so zugetragen hat, macht im Ergebnis keinen Unterschied. Die Tat ist nicht nachweisbar“, hieß es im Plädoyer.

Der Vorsitzende Richter schloss sich letztendlich den Aussagen der Staatsanwaltschaft an: „Wenn da wirklich etwas gewesen wäre, dann hätte die Zeugin es mitbekommen müssen.“

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