Verkehrsversuch in Neumünster : Freie Fahrt auf dem Großflecken

Ohne Barrieren und Durchfahrverbot  prägten  gestern  wieder Blechlawinen das Bild am Großflecken.
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Ohne Barrieren und Durchfahrverbot prägten gestern wieder Blechlawinen das Bild am Großflecken in Neumünster

Nach Aufhebung der Durchfahrsperre in Neumünsters Innenstadt wurden bereits die Schilder demontiert. Bei manchem Autofahrer sorgte das für Irritationen.

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07. November 2013, 06:00 Uhr

Neumünster | Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück: Das Ende des Verkehrsversuchs auf dem Großflecken bescherte den Mitarbeitern des TBZ gestern einen arbeitsreichen Tag und sorgte bei manchem Autofahrer für Irritationen: Wie, ist die Straße jetzt wieder offen?

Die TBZ-Männer Andy Mühling und Viktor Kaufmann fingen gegen 7.30 Uhr auf dem Großflecken/Ecke Holstenstraße an, die ersten Schilder zu demontieren. Nach dem sofortigen Stopp des Verkehrsversuchs durch die Ratsversammlung am Dienstagabend (der Courier berichtete) mussten gestern alle Barrieren und Verbotsschilder wieder beseitigt werden – auch in den betroffenen Nebenstraßen.

Die Arbeit der TBZler rief auch manche Passanten auf den Plan, die das Geschehen kopfschüttelnd beobachteten. „Der ganze Versuch war eine große Dummheit. Ich habe das Gefühl, die träumen alle im Rathaus“, ließ Hermann Buhr aus der Innenstadt seinem Unmut freien Lauf. „Das wurde höchste Zeit, dass der Verkehrsversuch abgebrochen wird. Ich war nicht generell dagegen, aber es war zeitlich einfach sehr schlecht geplant. Die Verkehrssituation wegen der Baustellen war unzumutbar“, sagte Jürgen Bötel aus Wittorf.

Während die TBZ-Mitarbeiter Peter Denz und Olaf Krebstat die großen Schilder an den Ein- und Ausfallstraßen entfernten, arbeiteten sich Andy Mühling und Viktor Kaufmann vom Großflecken über die Parkstraße, Holstenstraße und Peterstraße vor. Die Parkstraße ist wieder für beide Fahrtrichtungen freigegeben. Ebenso die Holstenstraße zwischen Marien- und Peterstraße.

Das verwirrte gestern Morgen so manchen Autofahrer, der plötzlich wieder mit Gegenverkehr konfrontiert war. So ließ auch der erste lautstarke Streit nicht lange auf sich warten: Die Einbahnstraßenschilder an der Parkstraße waren gerade beseitigt, da hatten zwei Autofahrer Ärger miteinander, weil der eine den anderen wegen seines vermeintlichen Fehlverhaltens belehren wollte.

Die Diagonalsperre an der Anscharstraße/Klosterstraße war bereits am Montag abgebaut worden. Das hatte mit dem Aussetzen des Verkehrsversuchs aber nichts zu tun. Die Polizei hatte den Zustand bei der Stadt moniert. „Im Einsatzgeschehen war die Diagonalsperre höchst hinderlich, weil die Kollegen mit ihren Streifenwagen nicht vorbeifahren konnten. Das Problem wurde mit der Stadt kommuniziert, woraufhin die Sperre wieder entfernt wurde“, bestätigte Polizeisprecher Rainer Wetzel.

Kommentar:
Neumünster - die Stadt der kostenlosen Parkplätze
Wer es so sehen will, der findet Stadtverwaltung und Ratsversammlung wankelmütig, weil sie Hals über Kopf den Verkehrsversuch abgebrochen haben. Man kann es aber auch anders sehen: 22 Jahre nach Einweihung des „neuen“ Großfleckens (und ständiger Kritik) hatten sie sich endlich mal getraut, ihn probeweise zu schließen. Ja, die Ausführung im Detail, die Koordination der Baustellen waren subobtimal – aber    Versuch macht klug. Jetzt  konnte man diesen Versuch ruhigen Gewissens beerdigen und die Neumünsteraner trotzdem im Mai 2014 zum Bürgerentscheid bitten. Der ganze Großflecken als schnuckelige Fußgängerzone ohne Motorenlärm – das wird immer ein Traum bleiben, weil der Stadtplan das nicht hergibt. Alle Wege führen seit Jahrhunderten zum und über den Großflecken. Das lässt sich nicht ändern.  Wir müssen uns anders behelfen. Die Rettung des Innenstadthandels, selbst nach Eröffnung des ECE-Centers, ist vielleicht ganz einfach: Macht Neumünster zur Stadt der kostenlosen Parkplätze, bewerbt das landesweit, und die Leute kommen in die Stadt. Mit dem stinkenden Auto, aber sie kommen. (Thorsten Geil)
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