Weltfrauentag in Neumünster : Frauenstimmen auf rollender Bühne

Dagmar Kappeller (links) und Dagmar Volger von Coeur Balla sorgten für Stimmung im Bus auf der Linie 4 in Richtung Tierpark.
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Dagmar Kappeller (links) und Dagmar Volger von Coeur Balla sorgten für Stimmung im Bus auf der Linie 4 in Richtung Tierpark.

Zum Weltfrauentag spielten in diversen Bussen Musikgruppen, um auf den Aktionstag aufmerksam zu machen

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09. März 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | So eine ungewohnte Bühne hatten Dagmar Kappeller und Dagmar Volger noch nie: Die beiden Musikerinnen der Gruppe Coeur Balla bildeten eines von acht Teams, die gestern anlässlich des Weltfrauentags auf einigen Linien der Stadtwerke-Busse mit Musik und kraftvollem Gesang auf die Rechte des vermeintlich schwachen Geschlechts aufmerksam machten.

„Hoffentlich fährt der Bus vorsichtig an, sonst könnte es knifflig werden mit dem Instrument“, sagte Dagmar Vogler vor Beginn der Fahrt. Für ihren Auftritt hatte sie zwar extra eine kleinere Ausgabe des Basses gewählt, aber das Instrument brachte trotzdem stolze elf Kilo auf die Waage.

Los ging es für die beiden Frauen auf der Linie 4 vom Bahnhof in Richtung Tierpark. Auch wenn Busfahrer Richard Borkowski ganz sacht um die Kurven lenkte, machte sich zunächst die Trommel selbstständig und auch der Bass schwankte ordentlich hin und her. Kurzerhand schnallte sich die Bassistin mit einem Gurt an einem Haltegriff fest.

Nach zwei Stationen hatten sich die beiden Musikerinnen an die Fahrtbewegungen des Busses gewöhnt und schmetterten einen bunten Mix aus 7/8-Rhythmen vom Balkan, Gypsy-Musik und Eigenkompositionen. Einige Fahrgäste schauten zunächst skeptisch, ob des Konzertes auf vier Rädern. Die beiden Frauen ernteten aber viel Applaus – sogar vom Busfahrer: „Die Gypsy-Musik erinnert mich ein bisschen an meine Heimat Polen“, so Borkowski. „Eine tolle Idee“, urteilte Fahrgast Tim-Niclas Thomsen. Der 23-jährige Pendler freute sich über die Abwechslung im Bus und dass die Gruppe damit kreativ auf den Aktionstag aufmerksam gemacht hat.

Auch Anike Freiberg findet die Idee, Musik im Bus zu machen gut, „aber mit dem Frauentag habe ich nicht viel am Hut.“ Ganz anders sieht es Teli Kurt. Sie war auf dem Weg zu einer Kundgebung zum Weltfrauentag in Hamburg und freute sich über die musikalische Einstimmung.

Parallel verteilte Jens Sauerbrey Flugblätter mit einer Umfrage, in der die Frauen angeben können, wie sicher sie sich in der Stadt fühlen, wie sie den ÖPNV, die Einkaufsmöglichkeiten und die Wohnsituation in Neumünster beurteilen. Initiiert und ausgewertet wird die Umfrage, die noch bis 26. März läuft, von der Gleichstellungsstelle der Stadt.

„Das war ein sportliches Programm, aber hat viel Spaß gemacht“, sagte Dagmar Volger nach der Tour. Und Sonja Kessal, Betriebsleiterin der SWN-Verkehrsabteilung, war überwältigt von der positiven Resonanz auf das Gratis-Konzert: „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Ob es beim Weltfrauentag im nächsten Jahr eine Wiederholung gibt, wisse sie aber noch nicht. Für die Frauen hatte Sonja Kessal noch ein weiteres Geschenk parat: Ab 17 Uhr durften sie kostenlos Bus fahren. Ist das nicht ungerecht für die Männer, die zahlen müssen? „Ungerecht ist, dass Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn und 53 Prozent weniger Rente bekommen als Männer“, stellte Michaela Zöllner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt klar. Eine musikalische Premiere gab es aber nicht nur im Bus, sondern auch am Abend beim Empfang zum Weltfrauentag im Rathaus. Dort trat die neue Formation „Katzengold“ auf.

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