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Steigende Zahlen : Frauenhaus platzt aus allen Nähten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Hilfesuchenden steigt deutlich an – häufig sind die vorhandenen Zimmer überbelegt.

von
erstellt am 11.Jun.2015 | 06:30 Uhr

Neumünster | Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Frauenhaus hat immer häufiger mit Platzproblemen zu kämpfen. Die Zahl der Betroffenen, die dort Zuflucht suchen, steigt derzeit deutlich an. Im vergangenen Jahr wurden 117 Frauen und 117 Kinder aufgenommen, aktuell zählen die Mitarbeiter bereits 73 Frauen und 77 Kinder.

20 Plätze stehen in der Einrichtung zur Verfügung, doch die reichen oftmals nicht aus. Die Mitarbeiter sorgen dann in Eigenregie dafür, dass zusätzliche Matratzen auf die Zimmer verteilt werden, um dem Ansturm gerecht zu werden. Denn eines ist für die vier Damen klar: Abgewiesen wird niemand. „Wir nehmen grundsätzlich erstmal jeden auf, zumindest für eine Nacht“, sagt Eilika Degenhardt. Sofern die Möglichkeit besteht, werden die Frauen bei einer Überbelegung danach weitervermittelt.

Bei den Frauen, die in der Einrichtung Hilfe suchen, handelt es sich nicht nur um Neumünsteraner. „Die Klientel kommt aus dem gesamten Bundesgebiet“, erklärt Elke Wirth-Thoma, Vorsitzende des Trägervereins Frauenhausinitiative. Extrem problematisch sei die Situation derzeit in Hamburg. „Dort sind die Frauenhäuser chronisch überbelegt“, sagt Eilika Degenhardt. Die Betroffenen werden daher auf Einrichtungen in der näheren Umgebung verteilt – und das betrifft auch Neumünster.

Besonders im Fokus steht für die Mitarbeiterinnen, dass es nicht nur die Frauen selbst sind, die von Gewalt betroffen sind, sondern auch ihre Kinder. „Sie sind häufig ebenfalls traumatisiert. Wir können ihre Wunden zwar nicht heilen, aber wir können Sorge dafür tragen, dass sie gewaltfrei aufwachsen“, sagt Heike Friederichs.

Da viele der Kinder das Haus nicht verlassen dürfen, weil sie draußen bedroht oder entführt werden könnten, liegt das Hauptaugenmerk darauf, den Außenspielbereich ansprechend umzugestalten. Geplant sind eine eine Rutsche, eine Sandkiste, ein Reck und ein Bodentrampolin. Doch die Mittel sind knapp. Die Arbeit des Frauenhauses wird zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel von der Kommune finanziert. Zusammen ergibt das einen jährlichen Betrag von rund 240 000 Euro. „Diese Summe reicht aber nicht aus, um die Kosten zu decken. Wir sind daher auf Spenden angewiesen“, erklärt Melinda Carstensen, der ebenso wie ihrer Kollegin Sevim Kiraz-Döhring wichtig ist, dass die Gesellschaft für die Arbeit des Frauenhauses sensibilisiert wird: „Gewalt ist immer noch ein Tabuthema. Daher ist es von Bedeutung, dass die Problematik viel stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt.“

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