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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 18:39 Uhr

Aukrug : Frauenchor gibt sein letztes Konzert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach 49 Jahren wird die Singgemeinschaft aufgegeben. Es sind nur noch 22 Sängerinnen.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 08:30 Uhr

Aukrug | In Aukrug geht eine Ära zu Ende: Nach ziemlich genau 50 Jahren gehen beim VHS-Frauenchor die Lichter aus. Am Sonnabend, 14. November, ab 17 Uhr laden die verbliebenen Sängerinnen zu ihrem letzten Konzert in die Kirche nach Innien ein. Mit einer anderthalbstündigen Auswahl ihrer Lieblingslieder wollen sich die VHS-Sängerinnen von ihrem Publikum verabschieden.

Der Frauenchor der VHS Aukrug wurde 1966 gegründet, und Chorleiter Sepp Esch startete zunächst mit acht Sängerinnen. „Der Kreis wurde rasch größer“, berichtet Lore Laser, die 1971 selbst zu den Neulingen zählte. „Es war noch schick, im Chor zu singen. Viele Auftritte bei Sängerfesten an der Westbahn und bei privaten Feiern wurden absolviert.“ 1976 gab Sepp Esch den Dirigentenstab an Hanna Necker weiter. „Es war im Laufe der Jahre ein Kommen und Gehen der Mitglieder, aber immer noch kamen mehr dazu, als den Chor verließen“, erzählt Lore Laser. Als Gisela Rohwer die Leitung inne hatte, erreichte der Frauenchor zur Jahrtausendwende mit fast 50 Sängerinnen seine maximale Stärke. Aber auch nachdem dieser Gipfel überschritten war, ging es noch sehr positiv weiter. 2005 übernahm Clara Schmid den Chor. „Sie war die jüngste Leiterin, und es folgten aufregende Jahre“, stellt Lore Laser fest. „Wir lernten, wie wichtig es ist, ein Wochenende in Klausur zu gehen, um sich auf ein Konzert vorzubereiten.“ 2013 verließ Clara Schmid den Chor aus beruflichen Gründen und wurde durch die gebürtige Russin Larysa Pracht ersetzt. „Die Verständigung ist seitdem nicht ganz problemlos“, meint Lore Laser. Bei den Weihnachtskonzerte 2013 und 2014 konnte der Frauenchor nur noch jeweils ein Dutzend Sängerinnen für seinen traditionellen Auftritt in der Kirche aufbieten. „Da haben wir uns natürlich schon Gedanken über die Zukunft gemacht“, sagt die 1. Vorsitzende Marianne Krzykala.

Als Mitte Februar 2015 die Delegierten der Sängergruppe „An der Westbahn“ im Hohenwestedter „Landhaus“ tagten und die Aukrugerinnen gefragt wurden, ob sie anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens 2016 das Westbahn-Chorfestival ausrichten würden, mussten Marianne Krzykala und Ute Schlichting mitteilen, dass ihr Chor sein Jubiläum wohl nicht mehr erleben werde. „Der endgültige Entschluss fiel dann kurz vor den Sommerferien“, erklärt die 1. Vorsitzende, „da haben wir die Sängerinnen darüber informiert, dass am Jahresende Schluss ist.“ Angesichts der geschwundenen Mitgliederzahl kann die Chorarbeit nicht fortgesetzt werden. „Es geht einfach nicht mehr – wir können ja unsere Chorleiterin auch gar nicht mehr bezahlen.“ Eine 100-prozentige Beitragserhöhung könne man den verbliebenen 22 Sängerinnen (Durchschnittsalter: 64), von denen maximal 15 zu den Übungsabenden kommen, nicht zumuten. „Junge Leute sind heutzutage kaum dafür zu begeistern, im Chor zu singen. Wenn sie’s tun, dann nur total professionell oder mindestens Gospel“, bedauert Lore Laser und fragt: „Ist die Zeit für solche Chorarbeit, wie wir sie fast 50 Jahre lang gepflegt haben, womöglich einfach vorbei?“ Die Sängerinnen sind traurig, sehen aber keine Alternative zu ihrem Entschluss. „Es waren tolle, aufregende Jahre“, bilanziert Lore Laser, „vielleicht hat sich ganz schlicht und einfach ein Kreis geschlossen.“

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