SPD-Parteitag : Frauen-Power an der Spitze

Das neue Führungsquartett an der SPD-Kreisspitze bilden Kassierer Thorsten Klimm (von links), Nadja Winter (Juso-Vorsitzende und Kreispartei-Vize), Kirsten Eickhoff-Weber als Vorsitzende und Volker Andresen als weiterer stellvertretender Kreisvorsitzender.
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Das neue Führungsquartett an der SPD-Kreisspitze bilden Kassierer Thorsten Klimm (von links), Nadja Winter (Juso-Vorsitzende und Kreispartei-Vize), Kirsten Eickhoff-Weber als Vorsitzende und Volker Andresen als weiterer stellvertretender Kreisvorsitzender.

Klares Votum für Kirsten Eickhoff-Weber und Nadja Weber. Volker Andresen und Thorsten Klimm müssen mit Gegenstimmen leben

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30. November 2013, 06:00 Uhr

Die SPD hat auf ihrem Parteitag im Haus Hog’n Dor Kirsten Eickhoff-Weber (53) zur neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Die Landtagsabgeordnete, die den nach zwei Jahren nicht mehr antretenden Fred Brocksema ablöst, kann sich bei 84 Ja-Stimmen und nur einer Enthaltung über einen großen Vertrauensbeweis freuen.

Gleiches gilt für ihre Stellvertreterin Nadja Winter (27). Die tags zuvor zur Juso-Vorsitzenden gekürte Studentin wurde mit 80 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen gewählt. SPD-Landeschef Ralf Stegner hatte in seinem Grußwort nicht nur für die große Koalition in Berlin geworben („Wir haben einen kräftigen Schluck Rot in den Koalitionsvertrag gebracht“), sondern mit Blick auf die nächste Oberbürgermeisterwahl 2015 auch zu Kampfgeist aufgerufen: „Das Maß an Geschlossenheit in Neumünster hatte nicht immer die 100-Prozent-Marke.“

Bei der Wahl von Volker Andresen (67) zum weiteren stellvertretenden Kreisvorsitzenden und Schatzmeister Thorsten Klimm zeigte sich, dass es immer noch Gräben und nicht vernarbte Wunden bei Neumünsters Sozialdemokraten gibt. Andresen bekam bei 60 Ja-Stimmen auch 16 Gegenstimmen und sieben Enthaltungen. Klimm, der als einziger aus dem alten geschäftsführenden Vorstand erneut kandidierte, muss bei 63 Ja-Stimmen mit vier Nein-Stimmen und elf Enthaltungen leben.

Kirsten Eickhoff-Weber hatte in ihrer Bewerbungsrede Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ auch als Aufforderung zur innerparteilichen Demokratie bezeichnet: „Der Dialog muss unser Markenzeichen sein.“ Sie möchte eine SPD in Neumünster, die „solidarisch bei den Menschen ist“ und „Politik gestalten“ will. Die Kommunalpolitik sei „nicht das Kellergeschoss, sondern das Fundament der Demokratie“.

SPD-Landeschef Stegner hatte Fred Brocksema bescheinigt, den Karren gut gezogen zu haben. In seinem Rechenschaftsbericht formulierte Brocksema es so: „Ich hoffe, wir haben euch nicht enttäuscht. Unser Ziel war es, die Mitglieder ins Boot zu holen.“ Drei Wahlen in zwei Jahren hätten auch ihren Tribut gefordert. Brocksema: „Mit dem Ergebnis der Kommunalwahl mag der eine oder andere nicht zufrieden sein. Aber mit Uwe Döring hielt ein neuer Stil Einzug.“

Döring selbst räumte ehrlich ein: „Das Kommunalwahlergebnis war bitter und enttäuschend. Es ist, wie es ist. Wir werden das Beste daraus machen.“ Politische Schnittmengen sieht der SPD-Ratsfraktionschef mit den Grünen und Bündnis für Bürger/Piraten. Die Strategie der CDU bestehe dagegen aus „Politikverweigerung oder Abstauben, weil die CDU keine eigenen Ideen hat“.

Die Union verweigere bei wichtigen Themen wie der Mühlenhofschule oder dem Busverkehr die Dringlichkeit oder vertage sie und versuche so „mit allen Tricks, eine Entscheidung zu verhindern“, sagte Döring. Inzwischen gebe es fast so viele Sonder- wie reguläre Ratssitzungen. Auch bei der Verwaltung – siehe Laubannahmegebühr – müsse man sich manchmal an den Kopf fassen.

Der Courier-Kommentar:

Fred Brocksema hat die heillos zerstrittene SPD wieder in ruhigeres Fahrwasser gelotst und kann als Interimsvorsitzender den Stab an Kirsten Eickhoff-Weber abgeben. Die Landtagsabgeordnete hatte gegen den CDU-Landtagspräsidenten Torsten Geerdts das Direktmandat und damit den einzig wirklich zählbaren Erfolg für die Genossen errungen. Kirsten Eickhoff-Weber ist jetzt die starke Frau in Neumünsters SPD und kann mit Uwe Döring, dem starken SPD-Mann und alten Polit-Fuchs in der Ratsfraktion, Akzente setzen. Die neue Kreisvize Nadja Winter bekam viel Vorschusslorbeeren, muss sich aber noch profilieren. Dass es innerparteilich noch viel Arbeit gibt, zeigen die schlechten Wahlergebnisse für Volker Andresen und Thorsten Klimm. Innerhalb der SPD sind immer noch einige alte Rechnungen offen.

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