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Margit Haupt-Koopmann : „Frauen behindern sich oft gegenseitig“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Margit Haupt-Koopmann von der Bundesagentur für Arbeit informierte bei der Frauen-Union über Karrierechancen und Fachkräftemangel.

Neumünster | Was kann man gegen den Fachkräftemangel im Norden tun, und welche Rolle können dabei Frauen in führenden Positionen spielen? Die Verknüpfung dieser beiden Fragen erörterten Mitglieder des Landesverbands der Frauen-Union der CDU am Montagabend mit ihrer Gesprächspartnerin Margit Haupt-Koopmann vor knapp 20 Gästen im Hotel Altes Stahlwerk.

Margit Haupt-Koopmann ist Expertin auf beiden Gebieten: Sie ist nach jahrelanger Führungserfahrung, unter anderem in Baden-Württemberg und Berlin, seit zwei Jahren die Vorsitzende der Geschäftsleitung der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, zu der Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gehören. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen in der obersten Führungsebene. In den norddeutschen Bundesländern sind nur etwa zwölf Prozent der Top-Positionen mit Frauen besetzt.

„Wir brauchen Arbeitskräfte. Und noch nie waren Frauen so gut ausgebildet wie heute. Wir können das inländische Potenzial an Arbeitskräften ausschöpfen, da stehen Frauen als wichtigste Personalressource an erster Stelle“, machte die Juristin klar. Die Hindernisse von Frauen beim Aufstieg auf der Karriereleiter seien bekannt: Berufsfreundliche Kinderbetreuung werde besonders zu den Randzeiten vor 8 Uhr und nach 16 Uhr nicht breit genug angeboten. „Das wird in den neuen Bundesländern weitaus besser bedient“, sagte die Referentin und lieferte gleich eine soziologische Erklärung mit: „Das Familienbild ist im Osten Deutschlands anders.“

Margit Haupt-Koopmann hat selbst keine Kinder, weiß aber um die Herausforderungen, die Beruf und Familie mit sich bringen. Ihre Forderung lautet daher: „Wir brauchen andere Menschenbilder. Wir müssen aufräumen mit fest verankerten Vorstellungen.“ Dazu gehöre auch die Akzeptanz, dass es Männer gibt, die mit Hinblick auf die Familie nicht in Vollzeit arbeiten wollen und dass es Mütter gibt, die kurz nach der Entbindung den Beruf wieder aufnehmen. Familienplanung müsse mit Karriereplanung kombinierbar sein. In Deutschland seien die Unternehmen mental noch nicht vollends auf Familien eingestellt. Die Expertin räumte aber auch ein, dass besonders für kleine Betriebe die Umsetzung problematisch sei.

Margit Haupt-Koopmann rät Frauen, keine Angst vor Verantwortung zu haben und nicht den Zufall entscheiden zu lassen: „Frauen sollten ihre Karriere planen und sich nicht treiben lassen.“ Maike Enge, die Kreisvorsitzende der Frauen-Union und Mitorganisatorin der Veranstaltung, gab aber auch zu bedenken: „Allzu oft behindern sich Frauen gegenseitig und sind selbst ihre schärfsten Kritikerinnen.“

 

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