Weihnachtsessen aus SH : Franzosen lieben Weihnachtsgänse aus Rickling

Frank Gadow aus Schönmoor bei Rickling freut sich, sein Geflügel auf den Wiesen besuchen zu können. Hier wachsen die Tiere in frischer Luft mit viel Platz und Zeit zum Wachsen auf.
Frank Gadow aus Schönmoor bei Rickling freut sich, sein Geflügel auf den Wiesen besuchen zu können. Hier wachsen die Tiere in frischer Luft mit viel Platz und Zeit zum Wachsen auf.

Die Vogelgrippe spielt in diesem Winter bisher keine Rolle. Das Weihnachtsgeschäft läuft ohne Probleme.

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17. Dezember 2017, 16:10 Uhr

Rickling | Wenn ihre wilden Verwandten wie die Graugänse oder die großen schwarz-weiß gezeichneten Kanadagänse über ihre Köpfe hinweg übers Land ziehen, dann recken die weißen Zuchtgänse auf dem Schönmoorhof bei Rickling im Kreis Segeberg schon einmal die Hälse in die Höhe. Verklingen die melodischen Rufe der ziehenden Gänse über den nahe gelegenen Forsten, kehrt schnell wieder Ruhe ein. Nur das leise Schnattern der Gänseschar ist dann wieder auf den Wiesen zu hören.

50 Hektar groß sind die Wiesen und Ausläufe hinter dem Hof von Frank Gadow, der sich inzwischen wieder über das muntere Geschnatter auf den Wiesen freut. Lange ist es nicht her, dass Gadow und seine Berufskollegen, die sich der Freilandhaltung von Gänsen, Enten, Puten oder Hühnern verschrieben haben, sorgenvoll in eine unbestimmte Zukunft blickten. Allein im Winterhalbjahr 2016/2017 hat die sogenannte Vogelgrippe die Geflügelhalter ganze 192 Tage in Atem gehalten. Im Mai wurde in Schleswig-Holstein endlich Entwarnung gegeben. „Uns fiel ein Stein vom Herzen“, meint Gadow. Damit durften die Gänse und Enten dieses Jahres auf die Wiesen und bis jetzt die – wenn auch eingeschränkte – Freiheit einer Weihnachtsgans oder -Ente genießen. Bis zu 10.000 Gänse und noch einmal so viele Enten tummeln sich auf dem Betrieb.

Ereignisse wie die Vogelgrippe und die dadurch verordnete Aufstallpflicht sorgen nicht nur bei den Haltern für Stress. Die Enten stecken das noch ganz gut weg. Die Gänse mögen die Enge weniger, sagt Gadow. Dann würde er lieber draußen einmal die Verluste durch Rabenkrähen oder den Fuchs hinnehmen. Die allerdings können auch spürbare Probleme bescheren, etwa wenn sich wie in diesem Jahr geschehen ein Fuchs unter dem Draht eines Geheges durchgräbt und für ein Gemetzel unter den Gänseküken sorgt. Trotzdem sei dies das kleinere Übel und bei Freilandhaltung nicht immer ganz zu vermeiden, meint Gadow.

Vogelgrippe? Landesbehörden bleiben wachsam

Zurzeit dürfen sich die Freunde leckeren Schleswig-Holsteiner Freilandgeflügels wieder freuen. Bisher gab es lediglich in Holland und in Mecklenburg Vorpommern einzelne Fälle von Vogelgrippe. Die waren allerdings teilweise auch nur dem weniger aggressiven Virus H5N2 geschuldet. Wie Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck die Lage kommentierte, bleiben die Landesbehörden allerdings wachsam. Darin sind sich Politiker und Tierhalter einig: Zurzeit bestehe keine große Gefahr. Trotzdem kann es jederzeit wieder zu einem Viruszug kommen. Zumindest zum anstehenden Weihnachtsfest können Züchter und Verbraucher jedenfalls beruhigt sein, sagt Gadow.

Die Gänse von den Schönmoorwiesen kommen übrigens auch schon einmal in Mecklenburg Vorpommern oder gar Frankreich auf den Teller. Dorthin geht die Reise allerdings nur geschlachtet, denn lange Transporte möchte der Holsteiner seinen Tieren nicht zumuten.

Mit dem Fest kehrt Ruhe ein auf den Wiesen. Dann sind die Gänse geschlachtet, es gibt auch dem Schönmoorhof ein wenig Zeit für die drei Kinder und die Familie. Der Geflügelhalter freut sich schon auf diesen etwas ruhigeren Teil der Winterzeit.
 

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