Bauanträge : Forscher geben Bauherren neue Regeln vor

Spurensuche im Sand:Vor dem Bau des Designer Outlet Centers (DOC) untersuchten Archäologen das künftige Baufeld im Industriegebiet Süd.
Spurensuche im Sand:Vor dem Bau des Designer Outlet Centers (DOC) untersuchten Archäologen das künftige Baufeld im Industriegebiet Süd.

Archäologen teilen Neumünster in Interessengebiete ein. Schon länger ist eine Bescheinigung über mögliche Blindgänger nötig.

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07. Januar 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Ob Keller, Tiefgarage, Versorgungs- oder Anschlussleitungen: Wer in Neumünster oder in den Umlandgemeinden in die Tiefe bauen möchte, braucht in der Regel vor Beginn der Arbeiten eine Bescheinigung des Landeskriminalamtes (LKA), dass keine Blindgänger oder andere Kampfmittel aus Kriegszeiten mehr im Boden lagern. In diesem Jahr nun bekommt eine weitere Behörde mehr Mitspracherecht. Das Archäologische Landesamt (ALSH) teilt Neumünster (wie den Rest des Landes) in sogenannte Interessengebiete ein. Das kann Bauvorhaben deutlich verzögern.

Zwar wurde das Amt auch bisher schon im Bauverfahren oder bei Änderungen der Flächennutzung gehört und hat bei Vorhaben wie dem Designer Outlet Center oder der Holsten-Galerie vorab im Boden gegraben. Doch in den Interessengebieten ist nun eine intensivere Beteiligung der Experten unabhängig von der Größe des Objektes vorgesehen. „Diese Gebiete liegen in der Regel im Umkreis kulturhistorischer Denkmäler“, erläutert Anja Schlemm, im ALSH zuständig für die Bauleitplanung. Sie nennt etwa große Teile von Gadeland und Wittorf, das Gebiet um den Stadtwald oder Teile der Böcklersiedlung. Hier schauen die Archäologen nun besonders genau hin. „Wenn wir Einspruch erheben, ist der Bauherr verpflichtet, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir kommen dann gegebenenfalls raus und prüfen das Gebiet vor Ort“, beschreibt Anja Schlemm den künftigen Ablauf.

Dieses Vorgehen ist damit anders als bei der Kampfmittel-Bescheinigung, die laut Kampfmittelverordnung vom 7. Mai 2012 von Bauherren „vor Beginn von Tiefbauarbeiten auf Grundstücken in Gemeinden, deren Gebiete mit Kampfmitteln belastet sind oder sein können“ gefordert wird. „Hat der Bauherr diese nicht und es passiert was, kann er für die Folgen zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb weisen wir neuerdings schon bei Antragseingang auf die Bescheinigung hin“, erklärt Dieter Wirth von der Bauaufsicht der Stadt. Hintergrund: Die Erstellung des Formulars dauert zum Teil weit über sechs Wochen. „Wir haben leider nur drei Mitarbeiter, die die Luftbilder der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg auswerten und Bombenblindgänger-Verdachtspunkte suchen“, bedauert Stefan Jung vom LKA. Das sei mühevolle Kleinarbeit, da die heutige Situation mit Straßen und Häusern nicht mehr der damaligen entspreche. Ziel ist, irgendwann das Land als „blindgängerfrei“ einstufen zu können. Dass die Arbeit nötig ist, zeigen die Erfolge. Jung: „Fast jeden Tag rückt der Kampfmittelräumdienst aus. Es gibt viel zu tun.“

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