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Kolumne „Diese Woche“ : Fontänenbänder? Es riecht nach Kleinflecken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Redakteur Thorsten Geil denkt laut über die Pläne für die Umgestaltung des Großfleckens und die Schelte der kleinen Fraktionen nach.

von
erstellt am 31.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Da haben die Vorsitzenden der drei kleinen Rathausfraktionen offenbar einen Nerv getroffen. Die Kritik von Reinhard Ruge (FDP), Jörn Seib (Bündnis für Bürger, BFB) und Thomas Krampfer (Grüne) hat gestern sofortige Reaktionen ausgelöst. Sie hatten gestänkert, dass die großen Fraktionen CDU und SPD (gemeint waren deren Vorsitzende) „die wesentlichen Entscheidungen der Kommunalpolitik gern unter sich ausmachen und die kleinen Fraktionen bewusst ausgrenzen“ (Courier von Freitag).

SPD-Fraktionschef Uwe Döring wies die Vorwürfe gestern zurück. Es sei zum Beispiel schlicht falsch, dass der Hauptausschuss vom Oberbürgermeister eine Vorschlagsliste für die Besetzung der Stadtrat-Stelle von Günter Humpe-Waßmuth entgegen nehme. „Das wollte der OB so, aber wir wollen das nicht. Jede Fraktion kann sich alle Bewerber anschauen und zu einer Meinung finden. Dann wird diskutiert und gewählt“, sagte Döring. Seine Fraktion zum Beispiel wünsche sich noch mehr Bewerber. Und dass die SPD gern einen Stadtbaurat haben möchte, stehe schon in ihrem Kommunalwahlprogramm.

Auch beim Thema Großflecken-Umgestaltung widerspricht Döring den drei Kleinen. „Es gibt keine Absprache mit der CDU und auch keine Vorentscheidung bei uns“, meint Döring. Lediglich je ein Bauausschuss-Mitglied von CDU und SPD hätten einen Favoriten unter den drei Entwürfen.

In dasselbe Horn stieß gestern Thomas Michaelis (CDU), nachdem er die Schelte der drei Fraktionschefs gelesen hatte. „Meines Wissens hat sich bisher keine Fraktion auf einen Gestaltungsplan festgelegt. Es gibt nur eine Präferenz dafür, auf Basis des Entwurfs des Hamburger Unternehmens weiter zu arbeiten“, meinte er. Dann wäre das ja auch geklärt.

Ich kann ja immer noch nicht glauben, dass der Großflecken wirklich neu gestaltet wird. Immerhin rufen die drei Entwürfe dafür Kosten zwischen 3,7 und 10,1 Millionen Euro auf. Wo kommt das Geld auf einmal her? Verdient hätte es der Großflecken, dass er 25 Jahre nach der letzten Umgestaltung mal wieder dran ist. Bei den Stichworten aus den Entwürfen der Planer werde ich aber misstrauisch: Da geht es zum Beispiel um Fontänenbänder, gelbe Klinker und Grünscharniere. Das riecht nach Kleinflecken. Dieser Platz gefällt nach der Umgestaltung den Ästheten, wird aber nicht mehr genutzt.

Wenn der Großflecken angefasst wird, muss endlich der misslungene Gegenverkehr-Radweg beseitigt werden – ganz zu schweigen von den Bussen, die auf der Fahrbahn halten. Kaum zu glauben ist auch, dass es keine vernünftige Bürgeranhörung geben soll. Will die Stadt die Fehler aus den 80er-Jahren wiederholen, als der jetzige Großflecken geplant wurde? Erstaunlich, dass man glaubt, sich so etwas heute noch leisten zu können.

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