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Grundwasserschutz : Flüge und Bohrungen für gutes Wasser

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Drei Monate lang wird im Gebiet Bönebüttel, Schillsdorf und Rendswühren ein Hubschrauber mit riesigem Gestell kreisen, und es wird gebohrt

Bönebüttel | An fünf Orten im Umland östlich von Neumünster errichtet das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) innerhalb der nächsten drei Monate Bohrstationen. Ziel der Tiefbohrungen ist es, das Einzugsgebiet des Trinkwassers für das Wasserwerk Neumünster genauer zu bestimmen.

„Vermutlich endet das Gebiet weiter östlich, als Ende der 80er-Jahre angenommen wurde“, erklärte Dr. Broder Nommensen vom Landesamt. Sollte das der Fall sein, wird das erkundete Terrain vermutlich zum Wasserschutzgebiet erklärt. „Dann müssen etwa Landwirte bestimmte Auflagen erfüllen, um das Trinkwasser zu schützen“, erklärte der Experte weiter. Zugleich stellte er aber auch klar: „Das Leitungswasser in Schleswig-Holstein ist problemlos genießbar. Es gibt keine Hinweise auf gesundheitsbeeinträchtigende Stoffe.“ Zurzeit sind 26 Quadratkilometer Fläche als Wasserschutzgebiet für Neumünster ausgewiesen.

In Altbokhorst auf einem abgeernteten Rapsfeld findet sich unter einer Windkraftanlage eine Bohrstation. Die Bohrungen sind bereits abgeschlossen und die Bodenproben sind entnommen. Alle drei Meter hat der Bohrmeister Erde entnommen und auf einer Plane ausgelegt. An jedem Häufchen steckt ein Kärtchen mit einer Meterangabe. Je tiefer sich der hydraulische Meißel in den Boden gefressen hat, desto dunkler ist die Erde, die ans Tageslicht gekommen ist. Aus 204 Metern in der Tiefe wurde das letzte Bohrgut entnommen: fünf Millionen Jahre alter Ton, mit Glimmer und Braunkohlebestandteilen durchsetzt und daher fast schwarz.

„Das Grundwasser beginnt hier ab etwa zehn Metern Tiefe“, berichtete der Geologe Nommensen. Die Tiefbohrungen sind nötig, um aus den verschiedenen Gesteinszusammensetzungen eine Aussage über die Fließrichtung des Wassers treffen zu können. „Durch die Bohrungen können wir Nadelstiche setzen. In kompliziert geologischen Gebilden reicht das nicht aus“, so der Experte. Daher wird in den nächsten Tagen ein Hubschrauber mit einem riesigen Gestell in etwa 30 Metern Höhe das Gebiet um Schillsdorf, Altbokhorst, Bönebüttel, Hollenbek und Schipphorst, wo sich auch Bohrstandorte befinden, überfliegen. Das Messgerät gibt ganz leichte elektromagnetische Impulse ab, damit können wasserführende Sande und tonhaltige Schichten erkannt werden. „Von den Strahlen werden die Menschen nichts spüren. Sie sind auch völlig harmlos“, beruhigte Broder Nommensen. Auch die Tiefenbohrungen sind nach Kenntnis des Experten für den Menschen nicht wahrnehmbar. Dass sie mit dem Brummton-Phänomen, das Menschen wahrnehmen, zusammenhängen, hält er für unwahrscheinlich.

80 000 Euro kostet der Spezialflug des Hubschraubers samt Datenauswertung. Insgesamt werden an den fünf Bohrstellen dauerhaft 17 Mess-Stationen eingerichtet werden, um die Wasserstände und die Qualität des Trinkwassers regelmäßig prüfen zu können. 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser werden in Neumünsters Wasserwerk im Jahr gefördert. 

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