Neumünster : Flüchtlingen in den Sattel helfen

Mit Helm und Weste: Ibrahim Mohamed Elbahriy schieben symbolisch (v.li.) Kolja Diekneite (BWW), Jasna O’Sullivan (DRK), Robert Wollschläger (Awo) und Nasser Rajabi-Fan (Awo) an.
Mit Helm und Weste: Ibrahim Mohamed Elbahriy schieben symbolisch (v.li.) Kolja Diekneite (BWW), Jasna O’Sullivan (DRK), Robert Wollschläger (Awo) und Nasser Rajabi-Fan (Awo) an.

„Rides 4 Refugees“: Projekt des Awo-Stadtverbandes lehrt die Teilnehmer korrektes Verhalten als Radfahrer im Straßenverkehr.

shz.de von
07. September 2018, 17:15 Uhr

Neumünster | Als Ibrahim Mohamed Elbahriy 2012 aus dem Jemen nach Deutschland flüchtete, fing er ein neues Leben an. Der 23-Jährige ist inzwischen gelernter Einzelhandelskaufmann und arbeitet in einem Fahrradladen. Ein Rad hatte er damals auch gleich – aber er kannte die deutschen Verkehrsregeln nicht – und damit ist er nicht allein. Deswegen startet die Arbeiterwohlfahrt (Awo) jetzt ihr Projekt „Rides 4 Refugees“, bei dem Flüchtlinge lernen sollen, sich mit dem Rad im Straßenverkehr richtig zu verhalten.

„Es gibt einen riesengroßen Bedarf“, sagt Robert Wollschläger vom Awo-Stadtverband. Im Stadtbild sieht man des öfteren ausländische Neubürger recht rasant über Kreuzungen brettern oder Radwege entlangsausen. Das Projekt ist an die Tour de France angelehnt, sagt Wollschläger augenzwinkernd. In mehreren Etappen lernen die Teilnehmer ab Sonntag, 16. September, zuerst die Theorie – Verkehrsschilder, Grundregeln, Pflichten und Rechte im Straßenverkehr. Es folgt eine Schulung in Erster Hilfe, dann geht es ab auf den Verkehrsübungsplatz an der Färberstraße: Steuern, Balance halten, Hindernissen ausweichen, Engstellen passieren, Seitenblick, richtiges Abbiegen und vieles mehr stehen auf dem Programm. In der dritten Etappe werden die Teilnehmer in die Praxis entlassen – unter Aufsicht von Ehrenamtlichen, zum Beispiel von ADFC oder den „Uhus“ von Blau-Weiß-Wittorf. Es geht auf kleine Touren durch die Stadt, besonders das Verhalten an Brennpunkten wird geübt. Das Projekt endet mit einer selbstgeplanten Tour.

Etwa ein Drittel der durchschnittlich 600 Bewohner der Erstaufnahme wären Kandidaten, schätzen Jasna O’ Sullivan von der DRK-Betreuungsgesellschaft sowie Farsi- und Dari-Sprachmittler Nasser Rajabi-Fan vom Awo-Integrationscenter.

Die Stadt fördert „Rides 4 Refugees“ mit 2000 Euro, das sind zwei Drittel der Kosten. „Wir besorgen noch Helme und Westen“, so Wollschläger. Das Fundbüro stellt 15 Fahrräder zur Verfügung. Die Kosten für die Teilnehmer betragen 10 Euro.

Warum können Flüchtlinge so schlecht Rad fahren? „Bei uns ist das Fahrrad ein Spielzeug für die Freizeit, hier in Deutschland ist es ein Verkehrsmittel. Da muss man umdenken“, erklärt Ibrahim. So etwas wie Fahrradwege oder getrennte Bürgersteige – rechts Fußgänger, links Radfahrer – kannte er nicht. In Ländern wie Afghanistan ist es zum Beispiel Frauen verboten, Rad zu fahren.

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