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Neumünster : Flüchtlinge ziehen ins Ex-Polizeirevier

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Spätestens Mitte September sollen bis zu 60 minderjährige Flüchtlinge im ehemaligen Dienstgebäude an der Parkstraße untergebracht werden.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | Der Druck auf die Stadt wird immer größer: Täglich kommen nicht nur erwachsene Flüchtlinge und Familien in Neumünster an, auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Schutzsuchenden steigt dramatisch. Allein im Juli mussten 96 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vom Allgemeinen Sozialen Dienst in Obhut genommen werden. Weil die Unterbringungsmöglichkeiten schon lange erschöpft sind, stellt das Land nun vorübergehend das leerstehende ehemalige 1. Polizeirevier an der Parkstraße zur Verfügung. Bis spätestens Mitte September sollen dort bis zu 60 minderjährige Flüchtlinge unterkommen. Der Nutzungsvertrag läuft zunächst unbefristet, bis die Stadt die Räume nicht mehr benötigt.

„Es herrscht dringender Handlungsbedarf. Wir haben intensive Gespräche mit dem Innenministerium, Sozialministerium und Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein geführt, um zumindest diese temporäre Lösung zu finden“, teilte der Erste Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth gestern mit. Geplant ist, dass vier Gruppen mit bis zu maximal 14 Jugendlichen in das sechsstöckige Gebäude einziehen. Sie sollen dort maximal sechs bis acht Wochen bleiben, ehe sie dann in andere Einrichtungen im Land verteilt werden können. Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen übernimmt die Iuvo. Die gemeinnützige GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Diakonie und bereits jetzt der Hauptträger für Einrichtungen von in Obhut genommenen Jugendlichen. „Wir sind dabei, Konzepte für die neue Aufgabe zu erarbeiten“, sagt Volker Rüge, Bereichsleiter der Iuvo für Neumünster. Wie viele Mitarbeiter später an der Parkstraße arbeiten werden, hänge von der Anzahl der Bewohner ab. Pro 40 Jugendliche rechnet Rüge mit 12 Mitarbeitern. Insgesamt beschäftigt die Iuvo derzeit 300 Sozialarbeiter und Erzieher, weitere werden benötigt.

Um die Räume des ehemaligen Polizeireviers zunächst einmal herzurichten, müssen unter anderem zusätzliche Sanitäreinrichtungen, ein zweiter Rettungsweg und Rauchschutztüren eingebaut werden. Die Kosten hierfür belaufen sich laut Stadtsprecher Stephan Beitz auf rund 280  000 Euro. „Das Land stellt das Gebäude sofort zur Verfügung und hat zugesichert, erforderliche Investitionskosten der Stadt zu erstatten“, sagt Beitz. Staatssekretärin Anette Langner vom Sozialministerium bestätigt das und betont: „Damit leistet das Land einen wichtigen Beitrag zu einer kurzfristigen Lösung, die die Betreuung der Jugendlichen sicherstellt und Neumünster entlastet.“ Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth ist erleichtert: „Ich bin froh, dass wir damit eine annehmbare Übergangslösung für die jungen Flüchtlinge, die allein sind, gefunden haben.“

Die Stadt geht davon aus, dass sich die Situation voraussichtlich im kommenden Jahr entspannt. Nach Angaben von Stephan Beitz plant das Land zur Unterstützung der Kreise und Kommunen voraussichtlich dann sogenannte „Clearingstellen“ für neu ankommende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an zentralen Orten einzurichten. Damit sollen besonders belastete Kreise und Kommunen bei der Aufgabe der Erstunterbringung entlastet werden, bis eine längerfristige Unterbringung gesichert ist. Eine solche „Clearingstelle“ zur Unterbringung von 20 bis 30 Jugendlichen könnte im Gebäude in der Parkstraße eingerichtet werden.

Dort waren bis Mai 2011 das 1. Polizeirevier und die Dienststelle der Kriminalpolizei untergebracht. Nach Wasserschäden und Schimmelbefall verließen die Beamten dann das Haus und zogen an die Alemannenstraße. Das Land ließ die Räume sanieren und verhandelte zunächst monatelang mit einem potenziellen Investor über einen Verkauf (der Courier berichtete). Dieser Interessent ist nach Angaben des zuständigen Finanzministeriums allerdings mittlerweile abgesprungen. Daher könne es nun für die Flüchtlinge genutzt werden. „Wir prüfen landesweit, ob und in welcher Form wir leerstehende Landes-Immobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen können“, sagt Agnes Witte, Sprecherin des Ministeriums.

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