zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

12. Dezember 2017 | 00:26 Uhr

Platznot : Flüchtlinge wohnen im Zelt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Landesunterkunft am Haart ist voll. Ein 200 Quadratmeter großes Zelt mit Dixi-Toiletten bietet nun Platz für weitere 54 Männer.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Die Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten der Welt machen sich deutlich auch in Neumünster bemerkbar: Die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung für Schleswig-Holstein in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart ist komplett belegt.

460 Asylbewerber halten sich derzeit in der auf 400 Personen ausgerichteten Unterkunft auf. Alleine am vergangenen Wochenende kamen 85, am Wochenende davor sogar rund 90 Personen. Im gesamten August standen 730 Flüchtlinge vor der Pforte, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Und die Tendenz ist weiter steigend. Um die Aufnahme unverändert zu gewährleisten, hat das Landesamt nun ein Zelt mit Feldbetten auf dem Sportplatz aufgebaut. Es bietet Platz für 54 weitere Personen.

„Gedacht ist es ausschließlich für Männer“, sagt Ulf Döhring, Leiter der Einrichtung. Er sieht die Lage nach wie vor entspannt: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind wir gut aufgestellt. In Berlin musste die Erstaufnahme-Einrichtung geschlossen werden. Dort sieht es ganz anders aus.“ Die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kreise immer dienstags und donnerstags laufe derzeit im beschleunigten Verfahren. So werde auch zügiger wieder Platz geschaffen. Neumünster selbst muss dadurch keine Flüchtlinge auf Dauer aufnehmen.

Das Zelt ist ausgestattet mit einer Heizung, Licht und Fußboden. In der Mitte stehen Bänke und Tische zum Essen. Vor dem Zelt sind zehn mobile Toilettenkabinen aufgebaut, ein paar Schritte weiter haben die Flüchtlinge die Möglichkeit, mobile Container-Duschen zu nutzen. „Das Zelt ist wirklich nur als Eingangsstation gedacht, gerade am Wochenende. Sobald Betten in den Häusern frei werden, erfolgt der Umzug dorthin“, sagt Döhring.

Von einer Notlösung spricht Ove Rahlf vom Kieler Innenministerium. „Wir wollen keine Zeltstadt errichten.“ Stattdessen setze sich die Landesregierung für einen schnellen Ausbau der Landesunterkunft in der Scholtz-Kaserne ein. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hatte bei einem Besuch vor einem Jahr rund fünf Millionen Euro für die Sanierung und den Ausbau der ehemaligen Kasernengebäude zugesagt. Dabei bleibe es. Doch die Erweiterung wird noch eine Weile dauern. Für die kurzfristige, vorübergehende Unterbringung von 400 bis 500 Flüchtlingen hat das Land deshalb einen Teil der Boostedter Rantzau-Kaserne ins Auge gefasst – sozusagen als Außenstelle des Landesamtes (siehe Bericht unten). „Das soll aber nur zeitlich befristet sein, bis sich die Lage wieder entspannt hat“, so Rahlf. Pläne für eine Verlagerung der Landesunterkunft gebe es nicht. „Neumünster liegt zentral, und die Rahmenbedingungen passen.“

Innenminister Andreas Breitner (SPD) hofft nun, dass die Bundesregierung seinen Vorschlag eines nationalen Flüchtlingsgipfels zügig aufgreift. „Wir können die Aufgaben als Land nicht alleine meistern, sondern nur gemeinsam im Dialog mit dem Bund und den Kommunen“, sagt er.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert