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Landesunterkunft : Flüchtlinge sollen sechs Wochen bleiben

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Innenminister Stefan Studt will die Aufenthaltsdauer von Asylbewerbern in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart deutlich verlängern.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Um die Kreise und Kommunen zu entlasten, will Innenminister Stefan Studt (SPD) die jeweils neuen Asylbewerber länger in der Erstaufnahme-Einrichtung in Neumünster unterbringen. Bisher sind die Flüchtlinge in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart etwa 10 bis 14 Tage, künftig sollen es sechs Wochen sein. Ob die dafür nötigen zusätzlichen Betten in Zelten oder in der künftigen Filiale Boostedt stehen sollen, sagte der Minister am Wochenende nicht. In der auf 400 Personen ausgerichteten Landesunterkunft leben derzeit 552 Menschen, zum Teil in einem extra aufgestellten Zelt (der Courier berichtete).

„Ich empfinde es als sehr unglücklich, die Flüchtlinge nach so kurzer Zeit den Kommunen zu übergeben, ohne dass die Verfahren hinreichend auf den Weg gebracht sind und die Asylbewerber wenigstens etwas Deutsch gelernt haben“, sagt Studt. Wer die Einrichtung erreiche, solle zunächst zur Ruhe kommen, Gelegenheit zur medizinischen Versorgung haben und das Asylverfahren beantragen können. Erst danach sollen die Flüchtlinge nach einem Schlüssel auf die Kreise und Kommunen verteilt werden. Neumünster erhält dabei keine weiteren Asylbewerber zugewiesen.

Bis zu 500 Neuankömmlinge will das Land künftig in der neuen Außenstelle in Boostedt in fünf ehemaligen Gebäuden der Rantzau-Kaserne unterbringen (der Courier berichtete). Das Personal wurde bereits um drei Stellen auf 32 aufgestockt. „Wir wollen unseren bestmöglichen Beitrag dazu leisten, den Menschen nicht nur eine ordentliche Unterkunft zu geben, sondern sie auch angemessen zu betreuen, zu verpflegen und medizinisch zu versorgen“, so Studt. Er betonte zugleich den humanitären Ansatz der Politik: „Wichtig ist es uns auch, mit den Menschen in Boostedt das Gespräch zu führen und ihre Fragen oder Besorgnisse ernst zu nehmen.“

Der Innenminister geht angesichts der Entwicklungen in Syrien und im Irak davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge weiter steigt. Auch der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring, erwartet in den kommenden Wochen einen weiteren Zustrom: „Es ist traditionell so, dass zum Winter mehr Menschen hier ankommen.“ Wie Studt geht er bis zum Jahresende von rund 6500 Asylbewerbern aus. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von etwa 66 Prozent.

Innenminister Studt befürchtet aber auch, dass Rechtsradikale versuchen werden, die aus seiner Sicht „unabdingbare humanitäre Hilfe“ für ihre Zwecke zu missbrauchen. Am Sonnabend gab es bereits eine Demonstration der NPD in Boostedt (siehe Bericht auf Seite 14). „Damit müssen wir uns auseinandersetzen und deutlich machen, wie wichtig uns die Hilfe für jene ist, die in Not zu uns kommen“, so Studt.

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