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Talentcampus : Flüchtlinge sollen besser integriert werden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für einen besseren Start in Deutschland: Morgens wird Deutsch gelernt und die Pressefreiheit erklärt, nachmittags gibt es Theater und Musik.

Neumünster | Sie kommen aus den Krisenregionen der Welt und haben oft nicht viel mehr als ihre nackte Haut gerettet – nicht wenige sind ohne Eltern oder Verwandte in Neumünster gestrandet. Um Kindern aus Migrantenfamilien und jugendlichen Flüchtlingen den Start in der neuen Heimat zu erleichtern, hat die Volkshochschule (VHS) in diesem Sommer bereits zum dritten Mal den „Talentcampus“ ins Leben gerufen.

Der Campus ist Teil des Förderprogramms „Kultur macht stark“, mit dem der Bund gezielt bei benachteiligten Jugendlichen den Bildungshunger wecken will. Das Projekt soll zeigen, dass Lernen Spaß macht, sich lohnt und – ganz wichtig – so gut wie immer mit Anerkennung verbunden ist. Das stärkt das Selbstvertrauen und macht Mut, den nächsten Schritt zur Integration zu tun. Die VHS arbeitet mit Trägern der Jugendhilfe und Bildungseinrichtungen zusammen, um den Jugendlichen den richtigen Mix aus Lernen, Kultur und Spaß anbieten zu können. „Iuvo“ und „Safety Villa“, zwei anerkannte Einrichtungen für alleinstehende oder traumatisierte Flüchtlingskinder, sind ebenso im Boot wie die Musikschule, die Gerisch-Stiftung oder die Stadtbücherei.

Am Freitagabend stellten Projektleiter und Jugendliche im Kiek In erste Ergebnisse vor. Stolz präsentierte etwa eine Gruppe junger Afghanen selbst gedrehte Videos über ihren Alltag. Während sich die jungen Männer in der Woche an den Vormittagen von einem Job-Trainer auf den deutschen Arbeitsmarkt einstimmen ließen, nutzten sie die Nachmittage, um sich gegenseitig mit der Kamera zu beobachten. Heraus kamen sehenswerte Miniporträts über das Leben junger Ausländer in Neumünster.

Eine andere Gruppe hat morgens Deutsch gepaukt und am Nachmittag über das Konzept für die Kunstskulptur „Glückswächter“ diskutiert. Die jungen Afghanen, Syrer und Aserbaidschaner konnten sich dabei fast nur mit Händen und Füßen verständigen. „Es war für alle überaus spannend, wie die Jugendlichen versucht haben, dennoch jeweils ihre eigenen religiösen oder kulturellen Vorstellungen unterzubringen“, erklärt Projektleiter Thorsten Kehl den tieferen Sinn der Kunstaktion. Der „Glückswächter“, der unter der Regie von Wilhelm Bühse (Gerisch-Stiftung) entsteht, wird ab 4 . September vor der Alten Postpassage auf dem Großflecken ausgestellt.

15 Jugendliche mit russischen Wurzeln lernen in einem anderen Projekt, dass es mehr gibt als das Smartphone. Eine polnischstämmige Journalistin erklärte den Jugendlichen Pressefreiheit in Deutschland; ein Besuch in der Stadtbücherei offenbarte ihnen die Vorzüge einer Bibliothek. Nebenbei studieren die Jugendlichen derzeit ein ironisches Theaterstück über ihren „Dauerbegleiter“ Smartphone ein. Der Sketch „Verclickt, vernetzt, verwirrt“ wird am Freitag, 8. August, ab 17 Uhr im Kiek In an der Gartenstraße öffentlich aufgeführt.

Zehn junge Männer aus Afghanistan verknüpften den Deutsch-Unterricht auf Einladung des Talentcampus mit einem rockigen Musik-Workshop. Beim Konzert zum Bergfest bewiesen sie, dynamisch angefeuert von Musikpädagoge Andreas Kangalou, dass man sich manchmal auch ohne Sprache sehr gut verstehen kann: Der Evergreen „Wild Thing“ ging allen Besuchern sofort in die Beine.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 08:00 Uhr

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