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Boostedt : Flüchtlinge in der Kaserne: Offenheit, Skepsis und beharrliches Schweigen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gros der Bürger scheut sich, die Meinung zu sagen.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Boostedt | In der Gemeinde Boostedt wird die Einrichtung der neuen Außenstelle der Landesunterkunft, in die 500 Flüchtlinge einziehen sollen, heftig diskuktiert – allerdings nicht öffentlich. Mit Namen und Foto will kaum jemand in der Zeitung auftauchen. „Kein Kommentar“ heißt es unter anderem bei Edeka-Grümmer in der Neumünsterstraße.

Auch die Passanten im Ort sind alles andere als redselig. „Dazu möchte ich mich nicht äußern“, sagt eine ältere Dame. Viele andere winken beim Thema Flüchtlinge direkt ab und ziehen von dannen. Die meisten Boostedter vermitteln den Eindruck, lieber gar nichts sagen zu wollen anstatt etwas Falsches, das sie als fremdenfeindlich kennzeichnen könnte.

Friseurmeisterin Sabine Behrami (50) aus Boostedt hat dagegen eine klare Meinung zur Unterbringung der Flüchtlinge in der Rantzau-Kaserne. „Die Menschen, die aus den Kriegsgebieten kommen, tun mir leid. Und ich finde, da hier der Platz vorhanden ist, sollte man sie auch unterbringen.“

Doris Holst (58) sieht die Angelegenheit skeptischer. „Ich finde, dass 500 Asylbewerber zu viele sind. Ein Problem sehe ich auch in der Unterbringung und dem Unterrichten der Kinder“, sagt die Hausfrau aus Boostedt.

Dagmar Drummen, Schulleiterin der Grund- und Gemeinschaftsschule in Boostedt, befürwortet die Unterbringung grundsätzlich. „Allerdings müssen die Rahmenbedingungen für die Flüchtlinge und die Gemeinde gewährleistet sein. Ganz wichtig sind der interkulturelle Austausch und Transparenz“, sagt sie.

Pastor Thomas Lemke von der Bartholomäus-Kirchengemeinde äußerte sich positiv zu der Thematik. „Wir reagieren natürlich grundsätzlich mit Offenheit auf die Tatsache. Ich habe bereits in den vergangenen Wochen in meinen Gottesdiensten die Frage gestellt, was unsere konkrete Aufgabe in dieser Situation ist. Viele Menschen bekommen das Thema Flüchtlingsproblematik im Fernsehen mit – aber einen Fernseher kann man jederzeit ausschalten. Jetzt betrifft es uns direkt, und daher sind wir nun gefordert.

Das ist für uns alle eine ganz neue Situation.

Wir müssen jetzt gucken, wo unsere Kapazitäten sind und was gebraucht wird. Wir werden uns weiter mit dem Thema auseinandersetzen und die neue Sachlage auch am Donnerstag im Kirchengemeinderat gemeinsam besprechen. Allein von der Logistik betrachtet bietet sich die Rantzau-Kaserne an.

Über das Wie müssen wir diskutieren, über das Was gibt es keine Diskussion“, sagt er.

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