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Protest in Neumünster : Flüchtlinge fordern schnellere Asylverfahren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Bitte vergessen Sie nicht. Wir sind hier“: Syrische Flüchtlinge demonstrieren seit Montag mit einem Sitzstreik vor der Landesunterkunft für Asylsuchende in Neumünster.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Autofahrer und Passanten auf dem Haart staunen seit Montagabend nicht schlecht, denn eine ungewöhnliche Protestaktion sorgt dort für Aufsehen: Etwa 30 syrische Flüchtlinge demonstrieren mit einem Sitzstreik vor der Landesunterkunft. Sie halten Plakate hoch, auf denen sie sagen: „Danke an das deutsche Volk“, aber auch: „Bitte vergessen Sie nicht. Wir sind hier“.

„Sie sind ausgestattet mit Decken und Heißgetränken“, sagte der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring. Die Flüchtlinge verlangten Auskunft über den Stand ihrer Asylverfahren. Darüber könne jedoch nur das Bundesamt Informationen geben. Am Dienstagvormittag nahmen nach Dörings Angaben etwa 20 Menschen an der Aktion teil. Bei den Demonstranten handelt es vorwiegend um Männer. Sie lösten sich offenbar gegenseitig ab, sagte Döhring.

Einer der Demonstranten ist Farman Khandjar. „Wir wollen endlich wissen, was mit uns passiert. Wir sind seit einem Jahr und länger hier. Wir brauchen einen Pass, damit wir arbeiten oder eine Ausbildung machen können“, sagt er. Farman Khandjar ist seit einem Jahr in Neumünster. „Uns wird immer nur gesagt, wir sollen warten. In anderen Unterkünften, zum Beispiel in Hamburg, geht das viel schneller“, meinte er.

Viel schlimmer ist für die meisten jedoch, dass sie nicht wissen, was mit ihren Familien und Kindern passiert, die immer noch zu Hause in Syrien sind. „Wir bekommen keine Informationen. Uns wird immer nur gesagt, dass wir noch warten müssen“, erklärte Khandjar als Sprecher der Syrer in Neumünster.

Um ihre Forderung zu unterstreichen, greifen sie jetzt zu radikaleren Mitteln, denn sie wollen von nun an auf dem Bürgersteig vor der Flüchtlingsunterkunft am Haart übernachten. „Wir bleiben solange hier, bis wir Antworten und Entscheidungen bekommen“, sagten sie Montagabend entschlossen.

Schleswig-Holsteins Flüchtlingsbeauftragter Stefan Schmidt zeigte Verständnis für das Anliegen der syrischen Flüchtlinge. Die Personalsituation im zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sei ihm zwar bekannt. Die Fälle der syrischen Staatsangehörigkeiten müssten vorgezogen und schnell entschieden werden, sagte Schmidt. Schließlich sei bei ihnen mit einer Flüchtlingsanerkennung zu rechnen. Als anerkannte Flüchtlinge hätten sie auch die Möglichkeit, ihre Ehefrauen und minderjährigen Kinder nach Deutschland einreisen zu lassen.

(mit dpa)

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