Neumünster : Flüchtlinge drehen Film über Helden des Alltags

Die DaZ-Klasse arbeiten noch am Drehbuch für ihren ersten Film.
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Die DaZ-Klasse arbeiten noch am Drehbuch für ihren ersten Film.

Mit einem Filmprojekt wollen 13 Schüler einer Klasse „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) der Walther-Lehmkuhl-Schule Vorurteilen entgegenwirken.

shz.de von
17. Januar 2018, 08:35 Uhr

Flüchtlinge kommen in die Fremde und stoßen dort oft auf Vorurteile. Mit einem Filmprojekt, das an der Walther-Lehmkuhl-Schule gestartet ist, wollen 13 Schüler einer Klasse „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) dem entgegenwirken.

„Unbekannte Helden“ heißt das Thema, mit dem sich die Schüler auseinandersetzen. Unterstützt werden sie dabei von einem echten Profi: Filmemacher Claus Oppermann gibt nicht nur Tipps zum Umgang mit Kamera, Ton und Bildschnitt, sondern erarbeitet mit den Flüchtlingen auch das Drehbuch und die schauspielerische Umsetzung vor der Kamera. „Wir stehen noch ganz am Anfang, aber die Schüler sind mit Feuereifer bei der Sache“, erklärt Oppermann.

Für den Filmemacher ist es bereits das vierte Projekt an der Schule. Ermöglicht werden diese durch das kommunale Förderprogramm „Kulturteil“ vom Kulturbüro und der Stadt Neumünster. Mit etwa 53 000 Euro werden jedes Jahr knapp 100 Projekte gefördert. „Kulturelle Teilhabe ist mindestens genauso wichtig wie Deutsch und Rechnen zu lernen“, fasst Johanna Göb vom Kulturbüro die Idee dahinter zusammen. Es sei eine andere Plattform, sich zu begegnen. „Und für uns ist es ideal, dass die Schüler nicht nur den Umgang mit der Filmtechnik lernen, sondern sich auch mit der Kultur und ihren eigenen Talenten auseinandersetzen“, sagt Schulleiter Andreas Bitzer.

„Das ist das Einmaleins der Teilhabe“, lobt Marlies Fritzen, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Die Politikerin besuchte die DaZ-Klasse und unterstrich die Wichtigkeit solcher Förderprogramme.

Maximal sechs Minuten lang soll der Streifen werden. „Die Zeit ist knapp, denn wir haben nur einmal in der Woche ein paar Stunden“, erklärt Oppermann. Die Schüler erhielten durch das Projekt mehr Selbstbewusstsein, weil sie ganz neue Talente an sich entdecken. So wird aus einem angehenden Einzelhandelskaufmann schnell der Regisseur und der Hobby-Akrobat kann seine Fähigkeiten in die Handlung einbringen. „Das ist toll, macht echt Spaß“, sagt Nemann. Der 21-Jährige hat noch nie an einem Filmprojekt teilgenommen. Bis zum Sommer soll der Streifen fertig sein und als Beitrag eingereicht werden für das Kulturfestival „Kunstflecken“ im September.

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