zur Navigation springen

Asylbewerber am Haart : Flüchtlinge: Die Devise heißt abwarten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Vergrößerung der Unterkunft für Asylbewerber wird in Brachenfeld-Ruthenberg heiß diskutiert. Probleme mit der Verständigung im FEK und in den Läden

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 06:30 Uhr

Wie geht es weiter, wenn die Landesunterkunft am Haart vergrößert wird und mehr Flüchtlinge aufnimmt? Auch wenn die Einrichtung offiziell im Stadtteil Stadtmitte liegt, beschäftigen sich vor allem die Nachbarn in Brachenfeld-Ruthenberg mit dieser Frage. Am Mittwoch hatten Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler aus dem Innenministerium und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras bekannt gegeben, dass die Unterkunft um 8000 Quadratmeter und Platz für weitere 400 Betten vergrößert wird (der Courier berichtete). Die Devise heißt abwarten.

„Jahrelang ist nichts passiert, und nun überschlagen sich die Ereignisse“, sagt Stadtteilvorsteher Uwe Holtz. Er bedauert, dass die Bürger seiner Ansicht nach zu spät und nicht umfassend genug informiert wurden. Dass die Erweiterung tatsächlich so kommt wie angekündigt, bezweifelt Holtz: „Es ist schon oft von Sanierung und Ausbau gesprochen worden. Passiert ist nie etwas.“

Pastor Tobias Gottesleben von der Bonhoeffer-Gemeinde weiß, dass es auch Ängste und Vorbehalte der Bürger gibt. „Einige sagen: Flüchtlinge ja, aber bitte nicht bei uns.“ Hier sei Aufklärungsarbeit nötig. „Das ist kein notwendiges Übel, denn die Menschen bereichern uns“, sagt er. Die Gemeinde denke mit der Flüchtlingsberatung der Diakonie über zusätzliche Angebote und mehr Platz für das Café Vis-à-Vis und die Flüchtlingsseelsorge nach.

Geschäftsleute in der Nachbarschaft der Einrichtung sehen die Erweiterung mit gemischten Gefühlen. Man habe keine schlechten Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht und freue sich, dass sich das Einzugsgebiet der Filiale vergrößere, teilt die Pressestelle von Netto am Haart mit. Die Gerüchte, Netto habe einen Sicherheitsdienst wegen der Flüchtlinge, seien falsch. Es sei auch keiner geplant. „Die Kriminalität hält sich in Grenzen“, bestätigt auch Kai Uwe Schwarz, Pächter der Star-Tankstelle. Allerdings beeinträchtigten Sprachprobleme der Flüchtlinge oft seinen Geschäftsbetrieb. „Da wird dann mit Händen und Füßen gearbeitet, das hält auf.“

Ähnliche Probleme gibt es im Friedrich-Ebert-Krankenhaus. Dort werden im Schnitt 35 Patienten pro Monat aus der Landesunterkunft am Haart behandelt. „Die Kapazitäten des FEK reichen für weitere Flüchtlinge aus“, sagt Pressesprecherin Maren von Dollen. Aber häufig fehlten professionelle Dolmetscher zur Abklärung der Beschwerden – vor allem nach 16 Uhr und an den Wochenenden. „Die Diagnostik und Therapie wird aufgrund des Kommunikationsproblems deutlich aufwendiger. Das Land lässt uns hier allein“, so von Dollen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert