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Umfassende Unterstützung : Flüchtlinge auf dem Weg in den Beruf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

An der Walther-Lehmkuhl-Schule bereiten sich Schüler aus aller Welt umfassend auf die Ausbildung vor.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Das Wichtigste ist natürlich die deutsche Sprache. Wenn die jungen Flüchtlinge die im Unterricht Deutsch als Zweitsprache (Daz) einigermaßen gelernt haben, geht es Schritt für Schritt weiter. 120 junge Leute – meist aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak oder Eritrea – werden an der Walther-Lehmkuhl-Schule zurzeit fit für den Start ins Arbeitsleben gemacht. Und das gelingt nicht nur durch intensiven Unterricht, sondern auch durch zahlreiche Projekte, die für die 16 bis 22-Jährigen an der Schule angeboten werden. Gestern präsentierten die jungen Flüchtlinge während einer Feierstunde die Fortschritte, die sie in den Kursen und im Unterricht gemacht haben.

Schon das Angebot an möglichen Aktivitäten ist beeindruckend: So gibt es eine Musik-AG, ein Radio-Projekt, eine Percussion-Gruppe, Tennis, ein Filmprojekt und die AG „der innere Clown“. Außerdem stellten die Schüler ihre Fortschritte aus Pflichtkursen aus den Werkstätten sowie dem Kunstbereich vor. Gleich zu Beginn der kleinen Feier trug die Musikgruppe von Lehrer Sokol Mino das Lied „ein Bett im Kornfeld“ mit Gitarrenbegleitung vor. „Für die Schüler, die erst seit Kurzem Deutsch sprechen, ist es schwer, die Worte zu artikulieren“, so der Lehrer. Doch seine Schützlinge schlugen sich wacker, bevor sie mit einem Stück aus Syrien weitermachten. Danach stellten sich in einem Radiobeitrag mehrere Jugendliche vor. Begleitet wurden sie bei ihrer Arbeit von dem Journalisten Stefan Tenner sowie Daz-Lehrerin Christina Rubi.

Wie lange die jungen Flüchtlinge, die oft ohne Familie in Neumünster stranden, bis zum Start ins Arbeitsleben benötigen, ist sehr unterschiedlich. „Manche kommen als Analphabeten zu uns, andere haben in ihrer Heimat bereits studiert“, erklärt Marlies Kozielski-Nuske, Leiterin der Abteilung Berufsvorbereitung an der Schule. Abdulali Ahmadi (16) aus Afghanistan gilt als besonders begabter Schüler. Nur ein Jahr ging er in seiner Heimat in eine Dorfschule. Den Rest des Wissens erwirbt er sich in knapp zwei Jahren an der WLS. Im Sommer wird er seinen Hauptschulabschluss machen. Eine Lehre als Fliesenleger hat er in Aussicht.

Zu Beginn erhalten alle in erster Linie Deutschunterricht, dann kommen Pflichtfächer aus den Bereichen Mathematik, Technik oder Werkstatt hinzu. Arbeitsgemeinschaften und Praktika sind ebenfalls Teil der gezielten Vorbereitung. „Das Schöne an den Daz-Schülern ist ihr Engagement und ihr Fleiß. Sie wollen lernen und haben Spaß daran. Ich komme immer mit guter Laune aus dem Unterricht“, erklärte Marlies Kozielski-Nuske. Diese Freude zeigten die jungen Leute auch während der Präsentation und ernteten viel Applaus.

 

Kommentar: Echter Pioniergeist

Es ist ein bewundernswertes Geben und Nehmen an der Lehmkuhl-Schule: Da stranden zahlreiche Jugendliche aus aller Herren Länder allein in der Stadt und freuen sich jeden Tag über den Unterricht, der ihnen Chancen eröffnet. Schwänzen gibt es in den Daz-Klassen nicht, stattdessen Freude und Neugierde. Und die Lehrer? Sie strahlen einen ähnlichen Pioniergeist aus und legen sich für jeden Schüler ins Zeug. Mit dieser Atmosphäre steht die Integrationsarbeit unter einem guten Stern.

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