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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 10:22 Uhr

Flucht – und wie geht es dann weiter?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Meine Heimat habe ich verloren, meine ganze Familie, mein Haus, alle meine Sachen, die mir gehören, ich konnte nur das mitnehmen, was ich am Leib trug, und dann musste ich den anderen folgen, ich wusste nicht, wohin. Und nun bin ich hier, wie wird es weitergehen?“

So oder ähnlich klingt ein Satz der Flucht, zu allen Zeiten, an jedem Ort in der Welt, so klingt es, wenn es bis hierher gut gegangen ist. So erzählen es die Alten bei uns, wenn sie an das fürchterliche Ende des Krieges denken. So sagen es die Flüchtlinge aus Syrien und aus Zentralafrika, so lese ich das im Irak und höre das von Menschen aus Afghanistan und von denen, die es erfolgreich versucht haben, durch das Mittelmeer nach Europa zu kommen.

„Wie wird es weitergehen?“ Diese Grundfrage des Lebens bewegt Menschen überall in der Welt – Menschen auf der Flucht besonders. Auch wir waren in Neumünster am 27. Januar, dem Tag der ,Befreiung des KZ‘ in Auschwitz, so wie unzählige Menschen in der ganzen Welt zusammengekommen, um an die Erlösung der Häftlinge aus deutscher Konzentrationslagerhaft im Jahre 1945 zu gedenken.

Mich hat an diesem Abend ein Gedanke des Predigers besonders bewegt und nachdenklich nach Hause fahren lassen. Ausgelegt wurde von ihm eine Passage aus dem Alten Testament. Der Prophet Jesaja beschreibt dort Gott wie einen Bräutigam, der sich die Silhouette seiner Braut in die Handfläche tätowiert hatte. Genauso hat er die Umrisse Jerusalems, der Heimat damaliger Flüchtlinge, als Erinnerung in der Handfläche bei sich geführt. Einen Standort, der Antwort auf die benannte Frage gegeben hat. (Jes.49, 19)Heißt sie doch, dass Gott uns auf unseren Wege nicht allein lässt, weil er durch unsere Umrisse in seiner Handfläche immer an uns erinnert wird.

Natürlich fallen mir bei diesem Gedanken sofort die Millionen von Menschen ein, die allein geblieben sind, elendig und gewaltsam umgebracht, verhungert und ertrunken, überall auf dieser Welt, denen dieses Kennzeichen Gottes nicht geholfen hat. So ein Gedanke macht mich unsicher, lässt mich aber nicht an der Existenz Gottes zweifeln, denn ich denke auch an die Menschen, denen der Blick in Gottes Handfläche Kraft zum Leben gegeben hat, weil sie sich dort wieder entdeckt haben und ihr Leben dazu brauchen, um die Zusage Gottes an andere Menschen weitergeben, damit diese ihr Ziel entdecken und den Weg gehen können und so erfahren, wie es weitergeht.



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erstellt am 04.Feb.2014 | 13:50 Uhr

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