Flip-Flops nach Maß für den Minister

Das mikroprozessorgesteuerte Kniegelenk von Bernd Kowitz (Mitte) erläuterte otn-Inhaber Stefan Fehlandt (links) dem staunenden Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz.  Fotos: Vaquette
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Das mikroprozessorgesteuerte Kniegelenk von Bernd Kowitz (Mitte) erläuterte otn-Inhaber Stefan Fehlandt (links) dem staunenden Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz. Fotos: Vaquette

Dr. Bernd Buchholz informierte sich bei Orthopädie-Technik-Nord über Mikroprozessoren für Prothesen

shz.de von
17. August 2018, 10:00 Uhr

Bei seiner Sommertour hat Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz offenbar keine stilistischen Bedenken. Raus aus den Schuhen, Socken ausziehen und sich auf die Sensorfläche stellen: Bei seinem Besuch bei der Firma Orthopädie-Technik-Nord (otn) an der Wendenstraße ließ er sich die Fußsohlen vermessen.

Denn Schuhmacher-Geselle Michael Goedke und Paulina Uhlich, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, demonstrierten dem Gast, wie schnell nach einem digitalen Vermessen der Füße Flip-Flops entstehen. „Das ist eine Mischung aus traditionellem Handwerk und moderner Technik“, erläuterte Inhaber Stefan Fehlandt.

Dass Auszubildende beim Minister-Termin dabei waren, hatte seinen Grund – drehte sich doch ein Teil des Besuchs um das Thema, das vielen Betrieben unter den Nägeln brennt. „Azubis kommen nicht auf Zuruf. Wir gehen seit Jahren auf Schulen zu, sind auf Messen vertreten oder beim Speed-Dating, da hatte ich 27 Bewerbungsgespräche. Das ist bisheriger Rekord“, sagte otn-Prokurist Reiner Wallus. Der Betrieb habe bei 100 Beschäftigten eine Ausbildungsquote von 20 Prozent – unter den Azubis gebe es auch einen Syrer, berichtete Fehlandt. Er und Wallus waren sich einig: „Es wird nicht einfacher, wir haben das Kriterium Schulnoten nach hinten geschoben, Freundlichkeit ist wichtig und das familiäre Klima. Man muss die Firma nach außen positiv darstellen – so wie bisher weiterzumachen, reicht nicht. Und die jungen Leute sind gut vernetzt und tauschen sich aus.“

Das machte auch Paulina Uhlich klar, die dem Minister einen Ausdruck seines Fußsohlen-Profils überreichte: Die Hans-Böckler-Schülerin lernte den Betrieb über ein Praktikum kennen. „Ich wollte schon immer etwas mit Handwerk und im Gesundheitsbereich machen. Das Arbeitsklima hat mir gut gefallen“, sagt die 18-Jährige aus Faldera.

Beim Rundgang lernte Buchholz die komplexe Technik kennen, die Menschen mit Handicaps hilft und den Betrieb überregional zum Anlaufpunkt für Betroffene macht: Bernd Kowitz (57) aus Schuby verlor sein linkes Bein vor 40 Jahren bei einem Unfall. Jetzt hilft ihm ein mit Mikroprozessoren gesteuertes Kniegelenk, sich beim Gassigehen mit dem Hund, auf schiefen Ebenen oder im Gelände sicherer zu bewegen.

Staunend verfolgte Buchholz auch die Demonstration von Reha-Techniker Edvard Jochim, der die Funktionsweise eines digitalen Augen-Umfeld-Steuerungsgerätes zeigte, mit dem Gelähmte Licht, Telefon oder anderes bedienen können. „Das Zwinkern ist wie das Klicken der Computermaus“, erläuterte Jochim. Wer nicht zwinkern kann, fixiert einen Punkt – und setzt den infrarot-gesteuerten „Verweilbutton“ in Gang.

Zur Erinnerung gab es am Ende des Besuchs die maßgeschneiderten Flip-Flops – in leuchtendem Türkis.

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