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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 16:31 Uhr

Aukrug : Fledermäuse schlafen im alten Stollen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Elf geschützte Arten leben im Naturpark Aukrug . Der Umbau zum Naturwald hat begonnen: Künstliche Höhlen werden dann überflüssig sein

von
erstellt am 30.Jan.2014 | 06:45 Uhr

In einem alten Stollen auf dem Gelände der Fachklinik Aukrug verbringen etwa 70 Fledermäuse die Wintermonate. Der Naturschutzring Aukrug hat einiges getan, um die Winterruhe der Fledermäuse so komfortabel wie möglich zu gestalten: Hohlbetonblöcke und Ziegelwände wurden aufgestellt und mit Finanzmitteln aus dem Artenschutzprogramm des Landes Schleswig-Holstein zum besseren Schutz vor winterlicher Kälte zwei neue Eingangstüren eingebaut.

„Wir bemühen uns, die Winterquartiere der Fledermäuse zu erhalten und zu optimieren“, sagt Naturschutzring-Geschäftsführer Niklas Zander und zieht eine positive Bilanz der bisherigen Maßnahmen, die stets in Absprache mit dem Landesbeauftragten für Fledermausschutz, Matthias Göttsche, erfolgen: „Unsere Vorrichtungen werden von den Tieren gut angenommen.“

Als Winterquartier besonders beliebt bei den Fledermäusen ist ein aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammender Stollen in Tönsheide, wo insgesamt 70 Exemplare derzeit auf den Frühling warten. „Das ist ein alter Lösungsmittelstollen“, erläutert Zander. „Hierhin wurden während des Krieges brennbare Stoffe ausgelagert.“ Die ersten Fledermauskästen in diesem Stollen hat der Aukruger Bund für Natur- und Landschaftsschutz installiert. Seit ein paar Jahren hat der Naturschutzring die Betreuung der Winterquartiere übernommen und für Hohlbetonblöcke sowie Ziegelwände gesorgt, wo die Fledermäuse optimale Schlafplätze finden.

Wobei von einem tiefen und festen Winterschlaf nicht unbedingt die Rede sein kann. „Das ist kein echter Schlaf, man spricht vielmehr von einer Winter-Lethargie“, weiß Helga Heesch vom Naturschutzring „Die Fledermäuse nehmen in dieser Zeit alles wahr, was um sie herum passiert.“ Die Winterruhe der l Fledermäuse darf nicht gestört werden. „Die neuen Türen, die wir eingebaut haben, sind im Gegensatz zu den alten Türen abschließbar“, berichtet Zander. „Und durch diese aus dem Artenhilfsprogramm finanzierten neuen Türen dringt auch weniger Kälte in die Stollengänge.“

Große Kälte wäre deshalb schlecht für die Tiere, weil sie dann mehr Energie verbrauchen und – wenn ihnen der Hungertod droht – ihre Winterruhe unterbrechen und auf Jagd gehen müssten. „In einem milden Winter können die Fledermäuse im Stollen ihr ganz normales Überwinterungsprogramm abspulen“, sagt Zander.

Im Tönsheider Stollen überwintern hauptsächlich Wasserfledermäuse, aber auch einige Braune Langohren und ein paar Fransenfledermäuse. Insgesamt gibt es im Naturpark Aukrug elf verschiedene Fledermausarten, landesweit sind es 15, die allesamt von der EU unter strengen Schutz gestellt sind.

Die private Kurt-und-ErikaSchrobach-Stiftung, der neben dem Boxberg auch der Tönsheider Wald gehört, setzt seit 2008 auf ihren Flächen ein Schutzkonzept für Waldfledermäuse um. Ziel dabei ist es, kleinere Bereiche innerhalb der Wälder aus der Nutzung zu nehmen, diese ganz dem Artenerhalt zu widmen und auf diese Weise in allen Landesteilen ein Netz von Fledermauslebensräumen aufzubauen. „In den Wäldern der Schrobach-Stiftung am Kirchweddelbach haben wir bisher 72 künstlichen Höhlen für Fledermäuse angebracht“, berichtet Zander. „Solche Höhlen werden, wenn der angestrebte Umbau zum Naturwald erfolgt ist, nicht mehr nötig sein.“

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