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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 20:01 Uhr

Gericht : Fingierte Rechnungen über 30 000 Euro

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Amtsgericht verurteilt Hamburger Geschäftsmann wegen Betrugs zur Bewährungsstrafe. Seine Geschäfstkontakte in die Türkei waren nur heiße Luft

von
erstellt am 03.Mär.2016 | 09:30 Uhr

Neumünster | Der Schaden ist nicht unerheblich: Knapp 30 000 Euro zahlte eine Neumünsteraner Firma für Spezialmotoren für die Anbahnung von Geschäftskontakten in die Türkei. Die waren allerdings wertlos und auch nie in Auftrag gegeben worden. Wegen Betrugs und Beihilfe zur Untreue verurteilte das Amtsgericht dafür jetzt in einem ersten Prozess einen 50-jährigen Hamburger Geschäftsmann zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung. Gegen einen zweiten Beteiligten, den einstigen Prokuristen der Firma, wird gesondert verhandelt.

Der Prokurist soll den türkischstämmigen Hamburger Geschäftsmann im Spätsommer 2013 angesprochen haben: Ob er nicht Kontakte zu türkischen Unternehmen herstellen könne, die an den Spezialmotoren der Neumünsteraner Interesse finden. Der Hamburger, der sich vor Gericht als Projektentwickler im Immobilienbereich vorstellte, versprach zu helfen, kontaktierte Freunde in der Türkei und verschickte fleißig Prospekte – allerdings ohne den erhofften Erfolg.

Das hinderte ihn nicht, dem vermeintlichen Auftraggeber saftige Rechnungen ins Haus zu schicken: Für Flüge in die Türkei – insgesamt acht Mal Istanbul und retour – Honorarstunden, Spesen und Auslagen stellte er einmal über 11 500 Euro, ein weiteres Mal fast 18 000 Euro in Rechnung. Vor Gericht räumte er erst nach langem Zögern ein, dass sich seine Dienstleistungen in deutlich bescheidenerem Rahmen bewegten, die Flüge nach Istanbul frei erfunden waren.

In der Firma sorgte offenbar der Prokurist dafür, dass die Rechnungen beglichen wurden. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er von den Überweisungen erfahren habe, sagte der als Zeuge geladene Geschäftsführer der Firma aus. Die teuer bezahlten Firmenkontakte seien für das Unternehmen völlig wertlos, zumal die Türkei für seine Firma kein Absatzmarkt sei. Der erst wenige Monate zuvor eingestellte Prokurist habe die Überweisungen ohne Zustimmung der Geschäftsleitung veranlasst und dabei auch noch die Buchhaltung unter Druck gesetzt, um die Sache geheimzuhalten, hielt der Geschäftsführer seinem ehemaligen Mitarbeiter vor. Der war trotz einer Ladung als Zeuge gar nicht erst zum Prozess erschienen. Erst als sich eine Buchhalterin endlich getraut habe, die Geschäftsführung direkt auf die Sache anzusprechen, sei die Sache ans Licht gekommen, sagte der Geschäftsführer. Eine dritte Rechnung lag dem Zeugen zufolge da schon auf dem Tisch, sei aber nicht mehr bezahlt worden. Der Prokurist erhielt Hausverbot. Die Firma zeigte ihn an.

Auch der Angeklagte – als er endlich auspackte – belastete den Prokuristen schließlich schwer: Etwa 20 Prozent der von der Firma gezahlten Summen habe er seinem Partner in bar übergeben, ließ er nun über seine Anwältin erklären. Und: Seinem Partner sei durchaus bekannt gewesen, dass die Rechnungen nicht den erbrachten Leistungen entsprachen.

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