Neumünster : Feuerwehr in Not: Brandbekämpfern fehlt der Nachwuchs

Jonas Dooms (24) hat in seiner Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr viel gelernt und wirbt für den Beruf.
Jonas Dooms (24) hat in seiner Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr viel gelernt und wirbt für den Beruf.

Zum ersten Mal kann die Berufsfeuerwehr wohl nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Die Bewerbungsfrist wird um 14 Tage verlängert.

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24. Juni 2017, 08:30 Uhr

Neumünster | Die Voraussetzungen sind eigentlich ideal: Der Beruf ist einer der angesehensten überhaupt, Gebäude, Material und Ausstattung sind hochmodern, das Gehalt liegt deutlich über dem Durchschnitt, und die Übernahme nach der Ausbildung ist so gut wie sicher. Trotzdem hat die Berufsfeuerwehr im kommenden Jahr zum ersten Mal deutliche Schwierigkeiten, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Nun wird die Ende des Monats ablaufende Bewerbungsfrist für den Ausbildungsstart 2018 bis zum 15. Juli verlängert.

„Normalerweise bekommen wir auf vier Stellen für Brandmeisteranwärter rund 160 Bewerbungen. Im kommenden Jahr wollten wir fünf bis sieben Plätze anbieten. Aber es sind bisher nur knapp 50 Bewerbungen eingegangen“, sagt Wachführer Stefan Hennig. Das Problem: Viele Interessenten erfüllen nicht die Anforderungen. Sie sind entweder gesundheitlich oder körperlich nicht geeignet oder haben keine für den Feuerwehrdienst geeignete abgeschlossenen Berufsausbildung in einem handwerklichen oder technischen Beruf beziehungsweise im Rettungsdienst. Oder sie fallen bei einem der drei Einstellungstests (Sport / Allgemeinwissen / Höhentauglichkeit und Umgang mit Platzenge) durch. Und selbst das anschließende persönliche Gespräch ist eine große Hürde.

Wer einmal dabei ist, bleibt es auch

Carsten Voß, Arbeitsgruppenleiter Aus- und Fortbildung, gibt ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr: „Von 160 Bewerbern haben wir 100 eingeladen. Ein Viertel davon fiel durch den Sporttest. Den Höhentest schafften die meisten, aber im schriftlichen Test scheiterten noch einmal 50. Davon wurden 20 zum persönlichen Gespräch eingeladen.“ Das stellt viele dann aber wieder vor Probleme. „Oft stellen wir fest, dass die Bewerber gar nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Sie sind schlecht vorbereitet, haben ein unrealistisches Berufsbild oder passen aufgrund ihres Charakters gar nicht in unser Team“, erklärt Stefan Hennig. Bisher konnten dennoch am Schluss immer genügend geeignete Kandidaten gefunden werden, um die offenen Stellen zu besetzen. Und wer einmal dabei ist, bleibt normalerweise auch dabei. „Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren keinen einzigen Abbrecher“, berichtet Bernd Schümann, Abteilungsleiter der Feuerwehr-Verwaltung. Da die Berufsfeuerwehr nur nach Bedarf ausbildet, erfolgt nach dem Ausbildungsabschluss die Übernahme sozusagen automatisch.

So wie bei Jonas Dooms. Der ledige 24-Jährige aus Aukrug hat seine Ausbildung gerade beendet und schwärmt davon in den höchsten Tönen. „Wir haben an der Landesfeuerwehrschule in Harrislee sehr viel praktisch geübt. Ich habe das Deutsche Sportabzeichen, das Rettungsschwimmabzeichen und das Feuerwehr-Fitnessabzeichen gemacht. Die Stimmung war super.“ Neben der Grundausbildung in Harrislee gibt es eine praktische Ausbildung in der Feuer- und Rettungswache mit Teilnahme an der Wachschicht, Mitarbeit in den Werkstätten, Maschinistenausbildung, und man macht den Führerschein Klasse C. Theorie und Praxis werden außerdem im Rettungsdienst gelernt, unter anderem mit einer Ausbildung im Friedrich-Ebert-Krankenhaus.

Wie wieder mehr Nachwuchs kommen soll

Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, will die Berufsfeuerwehr im kommenden Jahr wieder einen Bewerbertag veranstalten, an dem sich Interessierte über die Arbeit im Gefahrenabwehrzentrum informieren können. Außerdem will sie sich dafür einsetzen, dass Schüler direkt von der Schulbank eine Ausbildung beginnen können. „Zum Beispiel in Düsseldorf und Berlin gibt es bereits solche Pilotprojekte. Wir müssen uns auf den demografischen Wandel einstellen und künftig intensiver um Nachwuchs kümmern. Ein Selbstgänger ist das nicht mehr“, so Carsten Voß.

Wer Interesse hat, sich noch zu bewerben, kann seine Unterlagen mit Schulabschlusszeugnis, Ausbildungsprüfungszeugnis, Schwimmpass- und Führerscheinkopie an die Stadt Neumünster, Zentrale Verwaltung und Personal, Großflecken 59, schicken. Weitere Fragen beantwortet Ausbildungsleiterin Katja Gorzolka unter Tel. 942-1551 oder per Mail an katja.gorzolka@neumuenster.de.

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