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Kieler Landgericht : Feuer in Neumünster: Wurde der letzte Mieter gewarnt?

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Montag sagte ein Jurist als Zeuge im Prozess um die Brandstiftung an der Bahnhofstraße in Neumünster aus. Er war mit seiner Kanzlei kurz vor dem Feuer ausgezogen.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Wusste der letzte Mieter aus der Bahnhofstraße 40 möglicherweise von einer bevorstehenden Brandstiftung? Warum zog der Rechtsanwalt mit seiner Kanzlei ausgerechnet zwei Tage vor dem Feuer aus? Und was wollte er kurz vor dem Brand noch vor dem Haus? Am Montag wurde der Jurist vor dem Kieler Landgericht stundenlang als Zeuge vernommen. Dort müssen sich zurzeit fünf Männer im Alter zwischen 31 und 70 Jahren verantworten. Laut Anklage sollen zwei Brüder (31 und 37) im Auftrag des Hausbesitzers (32) in der Nacht zum 15. September vergangenen Jahres in dem Mehrfamilienhaus an mehreren Stellen Feuer gelegt haben. Zwei Bekannte des Eigentümers, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen die Tat mit geplant haben. Laut Staatsanwaltschaft wollten die Männer an die Versicherungssumme von 500.000 Euro herankommen.

Der Rechtsanwalt, der jetzt als Zeuge geladen war, hatte bis kurz vor dem Brand eine Kanzlei im ersten Stock des Gründerzeithauses betrieben. Ursprünglich hatte er sich mit einem Kollegen die hohen Räume mit Eichenparkett geteilt. Doch sein Mitstreiter, der übrigens mittlerweile den mitangeklagten Kaufmann verteidigt, packte nach einiger Zeit offenbar wutentbrannt seine Sachen und kündigte fristlos. Gründe waren nach Angaben des Zeugen diverse Mängel in seinem Büro. Dort kamen immer wieder schlecht verklebte Styroporplatten von der Decke, so der Jurist. Als der Kollege schließlich ausgezogen war, blieb der Zeuge noch einige Monate im Hause. „Mich störte das alles nicht so sehr“, sagte er vor Gericht. Doch der angeklagte Vermieter habe ihm irgendwann nahegelegt, die Sachen zu packen.

Immerhin bekam der Hauseigentümer jetzt nur noch die halbe Miete und wollte die Etage gern komplett neu anbieten. Um dem Anwalt entgegen zu kommen, habe der Mann ihm eine Alternative an der Ehndorfer Straße zum nahezu identischen Preis angeboten. Da sei er dann am Donnerstag vor dem Feuer hingezogen, so der Jurist. Als Helfer sei auch der angeklagte Kaufmann, mit dem er befreundet sei, mit von der Partie gewesen. Der habe einen Hänger und ein paar starke Männer organisiert.

Doch warum ging der Unzug nach monatelangem Hin-und-Her ausgerechnet kurz vor dem Feuer über die Bühne? Zu diesem Themenkomplex durfte sich der Zeuge durchaus bedeckt halten. Denn zurzeit läuft ein gesondertes Verfahren gegen ihn. Trotz seines Zeugnisverweigerungsrechtes äußerte sich der Jurist im Prozess zu einigen Aspekten: „Es wird behauptet, ich sei gewarnt worden oder hätte mit einsteigen können. Aber das macht doch keinen Sinn. Da waren doch nur alte Computer drin. Dafür würde ich doch nicht meine Akten verbrennen lassen“, sagte der Zeuge.

Zwei Stunden bevor in dem Haus an der Bahnhofstraße gezündelt wurde, schraubte der Anwalt im Dunkeln als eine der letzten Umzugsaktionen sein Kanzlei-Schild ab. Am nächsten Tag wurde er über dem Brand unterrichtet. Als der Hauseigentümer ihn ein paar Tage später fragte, ob er ihn in dieser Sache vertreten würde, lehnte der Jurist das Mandat ab. „Ich ahnte, dass das keine einfache Sache würde. Außerdem war mir klar, dass ich in der ersten Reihe der Verdächtigen bin. Ich war ja sozusagen nach dem Mord der Letzte, der das Opfer noch lebend sah. Und so ganz falsch war meine Einschätzung ja nicht, wie sich später herausstellte“, meinte er.

Ein weiterer Zeuge, der dem Hauseigentümer bei Renovierungen half, bestätigte gestern unter anderem den maroden Zustand des Hauses. Als er einst Schimmel im zweiten Stock sah, habe er scherzhaft gesagt: „Das kann man ja nur noch anzünden.“ Doch der Eigentümer habe das weit von sich gewiesen und gesagt, das „könne man ja nicht machen“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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