Kosten steigen : FEK-Weiterbau steht auf der Kippe

Das Luftbild von 2013 zeigt links vom Altbau das neue Bettenhaus, dahinter die erste Hälfte des Querbaus und rechts davon den 'alten Neubau' aus den 70er-Jahren, der bis 2018 abgerissen werden soll. Unten ist der Sachsenring, links die Boostedter Straße.
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Das Luftbild von 2013 zeigt links vom Altbau das neue Bettenhaus, dahinter die erste Hälfte des Querbaus und rechts davon den "alten Neubau" aus den 70er-Jahren, der bis 2018 abgerissen werden soll. Unten ist der Sachsenring, links die Boostedter Straße.

Hiobsbotschaft: Der zweite Bauabschnitt des neuen Friedrich-Ebert-Krankenhauses wird um 17 Millionen Euro teurer. Gespräche mit dem Land sollen die Rettung bringen.

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08. März 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Der erste Bauabschnitt des neuen Friedrich-Ebert-Krankenhauses ist bald fertig und finanziell im Plan, aber jetzt ist unsicher, ob überhaupt weitergebaut werden kann. Die Feinplanung des zweiten Baubschnitts (2. BA, von 2015 bis 2018) „hat deutliche Kostensteigerungen ergeben“, wie das Krankenhaus gestern mitteilte: Sie klettern von 59,2 auf 76,5 Millionen Euro. Damit liegt das ganze Projekt bei mittlerweile mehr als 150 Millionen. Der erste Ansatz aus dem Jahr 2007 lag bei 97,6 Millionen Euro.

FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen nennt mehrere Gründe. Der Baupreisindex ist über die lange Bauzeit um 5 Millionen Euro stärker gestiegen als geplant. Die Pläne sind mehrfach nachträglich geändert und erweitert worden, weil mehr Betten nötig geworden sind, weil gesetzliche Auflagen verschärft wurden und ein moderner Hybrid-OP gebaut wird (6 Millionen zusätzlich). „Ein weiterer Punkt ist ein im Jahr 2006 zu gering kalkulierter Kostenansatz mit rund 5,3 Millionen Euro“, sagt von Dollen. Der Fehler sei nicht im FEK passiert, sondern bei beauftragten Unternehmen. Zu Details wollte er sich nicht äußern.

Die  Finanzierung des 2. BA ist jetzt nicht mehr gesichert. Dort sollen ein weiteres Bettenhaus, die Ambulanz, Radiologie, Notaufnahme und einiges mehr entstehen. Von Dollen: „Das FEK hat bislang einen Eigenanteil von 26 Millionen Euro erwirtschaftet. Mehr geht nicht. Ohne weitere Finanzhilfen kann der zweite Abschnitt nicht begonnen werden.“ Das Kieler Sozialministerium hat bislang 85,7 Millionen Euro Zuschüsse zugesagt.

Von der Eigentümerin des Krankenhauses, der Stadt, kann das Geld nicht kommen. „Wir haben es schlicht nicht. Und selbst wenn,  könnten wir es der Krankenhaus-GmbH aus rechtlichen Gründen nicht einfach überweisen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras. Zusammen mit der FEK-Spitze werde er Gespräche mit dem Ministerium führen. Zunächst werde er aber intensiv schauen, woher genau die zusätzlichen Kosten stammen. Bei einer so langen Planungszeit, nämlich von 2004 bis 2018, sei allerdings kein Bau exakt zu kalkulieren. Er sieht die Verantwortung für die Kostensprünge weder in der FEK-Geschäftsführung noch im Aufsichtsrat.  Klar ist für den OB aber: „Nicht weiterbauen oder zeitlich strecken ist keine Alternative. Wir brauchen den Neubau schnell.“

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Sparkassenvorstand  Ralph Schmieder,  hält die Kostensteigerungen für „nachvollziehbar und schlüssig“.  Die Baukonjunktur boome, und das treibe die Preise.  Zu dem Kalkulationsfehler  wollte Schmieder sich nicht äußern. Der sei nicht früher zu erkennen gewesen, denn erst jetzt habe man die exakte Planung für Teil 2 machen können.

Alle Beteiligten hoffen, dass Gespräche mit der Landesregierung Erfolg haben und zusätzliche Zuschüsse fließen. Alfred von Dollen: „Das FEK erwirtschaftet Gewinne  und hat steigende Patientenzahlen. Aber der Betrieb im Provisorium kostet jedes Jahr eine Million zusätzlich. Das kann niemand auf Dauer wollen.“

Kommentar: Es muss weitergehen
Die gestiegenen FEK-Kosten sind ein echter Rückschlag. Die neuen Zahlen müssen sauber untersucht und hinterfragt werden. Aber ein solch riesiges Projekt ist  14 Jahre im voraus wahrscheinlich wirklich nicht exakt zu kalkulieren; dafür sind die Entwicklungen der Preise, der Technik, der Vorschriften zu unberechenbar. Aber die einzige Lösung, die gar nicht geht, ist Stillstand. Man kann das halbfertige Krankenhaus so nicht weiterbetreiben. Neumünster kann sich glücklich schätzen, eine vernünftige Klinik zu haben, deren Patientenzahlen steigen und die Gewinne macht – obwohl sie selber bereits 26 Millionen Euro zum Neubau beigesteuert hat. Man muss in der Kliniklandschaft lange suchen, um ein kommunales Krankenhaus mit schwarzen Zahlen zu finden.  Und schneller scheint man nicht bauen zu können, weil der Bau eine Operation am offenen Herzen ist, bei Betrieb. Ein Neubau auf der Grünen Wiese wäre längst fertig, aber den hätte das Ministerium nicht so stark bezuschusst. Und wo hätte es auch gebaut werden sollen – auf dem DOC-Grundstück? Das FEK muss fertig gebaut werden. Das Geld muss her, egal von wo.
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