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Flüchtlinge : FEK: Auf Arzt Mahmoud wartet der Arbeitsvertrag

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

NDR-Bericht ließ offen, ob ein syrischer Arzt die Deutsch-Prüfung bestanden hat / Flüchtlingsambulanz hat viel Entlastung gebracht

Neumünster | Die neue, bundesweit einmalige Ambulanz für Flüchtlinge im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) stand am Montagabend im Mittelpunkt einer 45-minütigen Fernsehsendung beim NDR. Am Ende blieben die Zuschauer etwas enttäuscht zurück: Hat der syrische Arzt Mahmoud seine Deutsch-Prüfung bestanden – und kann er als Arzt im FEK anfangen?

„Nein, hat er leider nicht!“, sagte gestern der Ärztliche Direktor Dr. Ivo Markus Heer zum Courier. Alle Kollegen seien enttäuscht und betrübt. Den mündlichen Teil habe Mahmoud geschafft, aber den schriftlichen nicht. Er werde sich der Prüfung aber bald ein zweites Mal stellen und sie dann bestimmt bestehen. „Er hat unsere Zusage, dass er jederzeit bei uns anfangen kann – aber diese Prüfung ist unabdingbar. Wir werden auf ihn warten, denn wir brauchen ihn dringend“, sagte Heer.

Die Fernsehsendung „Die Flüchtlingsambulanz“ beschäftigte sich intensiv mit der neuen Einrichtung im FEK. Begleitet wurden die beiden syrischen Ärzte Dilovan Alnouri und Dr. Munzer Shekho, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen und seit Mitte Oktober in der Ambulanz arbeiten (der Courier berichtete). Und sie erzählte die Geschichte von Mahmoud, der im Fernsehen nicht seinen Nachnamen nennen wollte, weil er Angst um seine Familie in der Heimat hat.

Der Allgemeinmediziner aus Damaskus war vor dem Bürgerkrieg geflohen und kam über Jordanien auf dem Landweg nach Deutschland. Nach einigen Monaten in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften lebt er jetzt bei deutschen Gasteltern in Schleswig. Er spricht schon sehr gut Deutsch und ist ein Musterbeispiel der Integration. Der sympathische Mahmoud spielt Volleyball in Schleswig und ist seinen Mannschaftskameraden ein Freund geworden.

Seine Flucht hatte er genau geplant. Schon von zu Hause aus hatte er sich erkundigt, was er braucht, um in Deutschland als Arzt zu arbeiten. Alle wichtigen Dokumente ließ er ins Deutsche übersetzen und brachte sie mit. Als er in Schleswig erfuhr, dass in Neumünster syrische Ärzte gesucht werden, bewarb er sich. Sogar beim Vorstellungsgespräch war die Fernsehkamera dabei.

In seinem Zimmer schaute er sich vor der Kamera auch Fotos von seiner Familie an. „Das ist schwer. Sie erinnern mich an eine gute Zeit, die ist vorbei. Einige Menschen auf den Bildern sind schon gestorben“, sagte er traurig.

Gezeigt wurde auch der Klinikalltag der beiden syrischen Ärzte in der neuen Ambulanz. Sie kommen gut zurecht und sind allein wegen ihrer Sprachkenntnisse eine große Hilfe. Nur den extrem aufwändigen Papierkram kannten sie nicht aus ihrer Heimat. Dilovan Alnouri ist schon fast ein Fernsehprofi: In der vergangenen Woche war er in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ zu sehen.

Die Flüchtlingsambulanz im FEK läuft immer besser an, gewinnt weitere Mitarbeiter und weitet ihre Öffnungszeiten aus. Derzeit ist sie dienstags bis sonntags von 15.30 bis 23 Uhr geöffnet. Dr. Heer: „Das hat eine deutliche Entlastung für unsere ,normale‘ Notfallambulanz gebracht. Dort haben sich die Wartezeiten deutlich verkürzt. Alle profitieren davon.“

Im Internet ist der Beitrag noch zu sehen: www.ndr.de/mediathek

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erstellt am 08.Dez.2015 | 18:30 Uhr

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