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Glaubenssache zum Weihnachtsfest : Feierliche Weihnachtsbetrachtung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gedanken zu den Festtagen von Propst Stefan Block

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2015 | 14:00 Uhr

Neumünster | Es ist ungemütlich, wenig „weihnachtlich“ in diesen Tagen. Nicht die Zeit, in der man gern unterwegs ist. Wenn man nicht muss. Aber manche müssen. . . Da ist ein Fenster – dahinter brennende Kerzen. Und schemenhaft ein Weihnachtsstern. Ein verheißungsvoller Anblick auf dem Weg: Das Versprechen von ein bisschen Geborgenheit, Wärme, Ruhe. Von einem guten Ort, um neue Kraft zu schöpfen auf dem weiteren Weg.

Viele sind an diesen Tagen unterwegs: Unterwegs unter Zeitdruck für letzte Einkäufe. Unterwegs zu Verwandten. Vielleicht auch unterwegs ohne Ziel, denn zu Hause ist die Wohnung leer. Man spürt es besonders zu Weihnachten, wenn es fehlt, das Zuhause. Und ich sehe dieser Tage auch die vielen anderen: Menschen oft nur mit Plastiktüten. Sie kommen vom Bahnhof. Menschen verschiedenster Sprache, unterschiedlichster Herkunft. Oft sehe ich sie stumm und etwas verwirrt mitten durch unseren vorweihnachtlichen Trubel laufen. Scheinen sich zu fragen, wo sie eigentlich sind . . . Sie sind in einem Land, in einer Stadt, wo gerade Weihnachten gefeiert wird, das Fest der Liebe. . . Vielleicht haben sie davon auch schon etwas gespürt: Am Bahnhof durch die freundliche Frau von der Bahnhofsmission, die sich so viel Mühe gab, ihnen den Weg zu beschreiben.

Und in manchem freundlichen Gesicht auf dem Weg, in manchem aufmunternden Lächeln – vielleicht sogar in einem ausgesprochenen Willkommen. Ja, wir alle ahnen: Menschen sehnen sich nach Heimat. Wir alle: Die hier schon lange wohnen, die suchend auf unseren Straßen unterwegs sind – und eben auch die Geflüchteten, aus ihrer Heimat Vertriebenen. Gibt es einen solchen Ort?

Wir versammeln uns in diesen Tagen in unseren Kirchen, in unseren Wohnungen. Da soll es gemütlich sein – eben weihnachtlich, wie auf dem Bild. Und wir versammeln uns um eine alte Geschichte. Eine Sehnsuchtsgeschichte und eine Verheißungsgeschichte zugleich: Ein Kind wird in windiger Nacht von seinen herumwandernden Eltern in einem kalten Stall geboren. Ein Kind, auf dem große Hoffnungen liegen. Und eine Verheißung: Ja, wir sind geborgen auf unseren Wanderschaften. Geborgen in Gottes Nähe, in seiner Liebe – trotz alledem. Die Dichterin Gertrud Fussenegger schreibt: „Doch wenn das Kind nicht geboren wäre für uns . . . wie wagten wir selbst, Heimatlose zu sein und unterwegs zwischen den Zeiten, Suchende, unbehaust unter den Sternen. . .“

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich wünsche Ihnen, dass wir in diesen Tagen uns, aber auch anderen eine Ahnung geben können von der Heimat, die das Kind verspricht. Dass es unter uns Weihnachten werde.

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