Prozess in Kiel : Feier mit Wodka endete tödlich

In diesem Mehrfamilienhaus an der Störstraße gerieten in der Wohnung im ersten Stock zwei Männer in Streit. Ein Pole (46) wurde dabei getötet.

In diesem Mehrfamilienhaus an der Störstraße gerieten in der Wohnung im ersten Stock zwei Männer in Streit. Ein Pole (46) wurde dabei getötet.

Ein Mann aus Polen muss sich vor Gericht wegen Totschlags verantworten. Er soll einen Landsmann umgebracht haben.

shz.de von
07. März 2018, 20:01 Uhr

Kiel | Sie hatten Nachtschicht bei der Post. Am Morgen kam es zu einem Trinkgelage und einem tödlichen Streit. Seit Mittwoch steht ein 43-jähriger Mann aus Polen wegen Totschlags vor dem Kieler Landgericht. Zum Prozessauftakt entschuldigte er sich bei der Familie des Opfers und legte ein Geständnis ab.

Sein einstiger Kontrahent starb laut Anklage nach einem Trinkgelage und einem heftig eskalierenden Streit in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Störstraße. Die Staatsanwältin geht von Totschlag aus. Demnach schlug und würgte der  Angeklagte seinen Bekannten am 5. September 2017, bevor er den drei Jahre älteren Mann mit einem Geschirrtuch erstickte.

Vor der Tat hatte sich der Angeklagte nach der Nachtschicht in der Wohngemeinschaft, in der er mit weiteren polnischen Arbeitern lebte, zu einem Umtrunk zusammengesetzt. Doch der eigentlich freudige Anlass – der Mann wollte nach eigenen Angaben  auf die bevorstehende Geburt einer Enkelin anstoßen –  endete in einer Tragödie. Er sei mit dem späteren Opfer während des Trinkens in Streit geraten. Man habe demnach mehrere Flaschen Wodka geleert, als der Mann ihn plötzlich am Revers gepackt, geschüttelt und beleidigt habe, sagte der Angeklagte. „Ich habe reagiert.“ Dann wisse er nur noch, dass er auf dem Oberkörper des Opfers saß, eine Hand am Hals, eine gegen den Mund gepresst. Nach Zeugenaussagen hatte das Opfer den Angeklagten zuvor mehrfach als eine Art Geizhals beschimpft.

Nach der Tat habe er den Toten entsetzt in sein Bett gelegt und die Leiche abgedeckt, schilderte der Familienvater. Dann habe er Bekannte angerufen, die für ihn die Polizei alarmieren sollten. Er selbst habe das aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht geschafft, hieß es. Stattdessen habe er einen seiner Mitbewohner geweckt, ihm den Toten gezeigt und die Tat gestanden. Seiner Frau in Polen sagte er demzufolge, es sei eine Tragödie passiert und er würde  lange nicht nach Hause kommen.

„Er war immer freundlich, nicht aggressiv. Vielleicht etwas nervöser zu der Zeit“, erklärte ein Mitbewohner des Angeklagten am Mittwoch als Zeuge, der selbst die eigentliche Tat verschlafen hatte. Beim ersten Geständnis und seiner Festnahme wirkte der Angeklagte nach Angaben von Zeugen ruhig. Man habe keine sichtbaren Anzeichen einer Alkoholisierung wahrgenommen. Eine Gerichtsmedizinerin sagte, der Tote habe mehr als drei Promille Alkohol im Blut gehabt, der Angeklagte mehr als 1,4 Promille. 

Der Angeklagte, ein gelernter Automechaniker, arbeitete nach eigenen Angaben seit Längerem bei der Post in Neumünster, zunächst als Leiharbeiter, dann als Angestellter. Zuvor hatte er in Deutschland, Frankreich und Norwegen auf einer Werft und in einem Schlachtbetrieb gearbeitet. Der Prozess ist auf vier Tage festgesetzt.

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