zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 00:04 Uhr

FEK : Fehlerquelle Mensch ausgeschaltet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neues EDV-Programm im Friedrich-Ebert-Krankenhaus steigert die Arzneimittelsicherheit und spart Zeit auf den Stationen

Mit ihrer neuen elektronischen Erfassung, Verordnung und Prüfung der Medikamentenausgabe ist das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) sogar dem Kieler Uni-Klinikum voraus. Das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein steigert die Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie und schaltet die Fehlerquelle Mensch bei der Medikation nahezu aus.

„Das ist für uns ein Quantensprung“, sagte Christoph Thielecke, der das Projekt im FEK maßgeblich verantwortet. Die elektronische Datenverarbeitung im Krankenhaus ist nichts Neues. Das EDV-gestützte Krankenhaus-Informationssystem namens Medico gibt es seit vier Jahren im FEK, seit zweieinhalb Jahren werden die Patientenakten elektronisch geführt. Und in der Krankenhausapotheke wird jede Pille vollautomatisch einzeln verpackt und eindeutig patientenbezogen beschriftet.

Dennoch gab es eine Schwachstelle: Die Medikation war nicht in das Krankenhaus-Informationssystem eingebunden. Auf den Stationen mussten Ärzte und Pflegekräfte die Medikamentengabe nicht nur in den PC eingeben, sondern auch noch handschriftlich in Papierkurven eintragen. Das bedeutete nicht nur doppelte Arbeit, sondern barg auch die Gefahr von Übertragungsfehlern.

„Die meisten Fehler passieren bei der Schnittstelle Mensch“, betonte Dr. Thorsten Pelk, der leitende Oberarzt der Klinik für Geriatrie. Studien aus den USA sprechen von 14,7 Millionen Fehlmedikationen in Krankenhäusern pro Jahr. „Das Risiko ist jetzt erheblich geringer“, sagte Jürgen Schröder, der stellvertretende Leiter der FEK-Apotheke. Mit dem neuen System steigere das FEK die Sicherheit um den Faktor 10, ergänzte Chef-Apotheker Dr. Christoph Winkeler.

Das neue Software namens ID Pharma kostete gerade einmal 60 000 Euro und schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Eingaben gibt es nur noch über den PC, alle EDV-Systeme kommunizieren miteinander. Dadurch werden Medikamente untereinander und im Zusammenspiel mit Laborwerten, ärztlichen Diagnosen, Operationen und selbst Allergien auf ihre Verträglichkeit abgeglichen.

Die Medikation des Hausarztes kann einfach übernommen werden, das System erzeugt sogar Vorschläge für die medikamentöse Weiterbehandlung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Das alles ist eine enorme Arbeitserleichterung und schaltet Fehlerquellen aus. Arzt und Apotheker bleiben aber die letzte Instanz. „Der Arzt entscheidet immer noch selbst, ob er die Hinweise berücksichtigt. Das ist auch gesetzlich so vorgeschrieben“, sagte Christoph Thielecke.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen