Konzert : Faszinierende Saitensprünge

Andrew Lee (von links), Andrej Shynkevich, Ljubinko Lazic und Ter-Minasyan Artem begeisterten das Publikum im Theater.
Andrew Lee (von links), Andrej Shynkevich, Ljubinko Lazic und Ter-Minasyan Artem begeisterten das Publikum im Theater.

Im Theater gab es Begeisterungsstürme für die Kontrabassisten von Bassiona Amorosa

Avatar_shz von
24. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Der Kontrabass? Ein tiefes Begleitinstrument, das gemeinhin die Basis eines Akkordes bildet und über wenig Klangfacetten verfügt. So oder so ähnlich könnte eine Kurzbeschreibung des größten aller Streichinstrumente lauten. Am Montagabend wurde das Publikum im Theater in der Stadthalle eines Besseren belehrt: Einem Kontrabass kann man zarte Flötentöne und leichte Melodien entlocken, man kann es wie ein Cello klingen lassen und ihm rasante Läufe in höchster Qualität abgewinnen. Zumindest wenn man Ljubinko Lazic, Ter-Minasyan Artem, Andrej Shynkevich oder Andrew Lee heißt.

Allesamt sind ehemalige Meisterschüler von Professor Klaus Trumpf aus München. Heute gehören die vier Ausnahmemusiker zur variablen Besetzung des internationalen Kontrabass-Ensemble „Bassiona Amorosa“. Umjubelte Konzerte in Seoul, Vaduz und in der New Yorker Carnegie Hall sowie die Verleihung des „Echo Klassik 2014“ in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ zeugen von der Qualität der Bass-Giganten. Und wenn derart hochkarätige Musiker nach Neumünster kommen, füllt sich die Stadthalle selbst bei schlimmstem Regenwetter. 320 Besucher, darunter viele junge Menschen, kamen ins Konzert.

Überraschung gleich beim ersten Stück: Kein tiefes Brummen, sondern wunderschöne Melodien mit viel Vibrato in den hohen Lagen und einer sanft gezupften Begleitstimme bestimmten das Arioso aus dem Cembalo-Konzert f-Moll von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung von Klaus Trumpf. Man traute seinen Ohren kaum: Sanft, warm und federleicht schwebten die Melodien durch den Raum. „Unglaublich“, flüsterte es da bereits im Publikum. Und es sollte noch besser kommen. Denn in zwei Sätzen aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – und hier besonders im „Frühling“ – kam noch Tempo hinzu. Dynamische Schattierungen, wie man sie einem Kontrabass nie zutrauen würde, erklangen zwischen Piano und Mezzoforte. Die Zuschauer wurden Zeugen einer atemberaubenden Fingerartistik und eleganter Bogensprünge. Denn nicht nur auditiv waren Bassiona Amorosa ein Genuss. Was Andrew Lee während seines Solostückes „Poucha Das“ von François Rabbath leistete, grenzte an musikalischen Extremsport. Mit der rechten Hand eine verblüffende Bogentechnik vollführend, spielte der gebürtige Südkoreaner mit der linken Hand die Melodie und zupfte dabei noch leere Saiten – dabei im Rhythmus zunehmend komplexer werdend und in der Lautstärke steigend.

„Poucha Das“ mit seinen Anklängen an einen traditionellen indischen Raga gehörte zweifelsohne zu den klanglichen Höhepunkten des Abends.

Knapp zwei Stunden begeisterten Ljubinko Lazic, Ter-Minasyan Artem, Andrej Shynkevich und Andrew Lee das Publikum mit einem eindrucksvollen Konzert voller klanglicher Finessen, Rasanz und Spielfreude. Mit einer „weihnachtlichen Melodienfolge“ und einer frenetisch erklatschten Zugabe entließen die vier Bassisten ihre Gäste in die dunkle, nasse Nacht.  

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen