Hohe Quote : Fast vier Prozent der Neumünsteraner sind pflegebedürftig

Pflege ist in Zeiten einer immer älter werdenden Bevölkerung ein wichtiges Thema.
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Pflege ist in Zeiten einer immer älter werdenden Bevölkerung ein wichtiges Thema.

Ende 2013 lebten 2960 betroffene Menschen in der Stadt. Nirgendwo in Schleswig-Holstein ist der Anteil so groß.

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17. Juli 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | In keinem anderen Kreis ist die Zahl der pflegebedürftigen Einwohner so groß wie in Neumünster. Ende 2013 lebten 2960 betroffene Menschen in der Stadt. Neumünster hat damit, gemessen an der Einwohnerzahl, mit 3,8 Prozent den landesweit höchsten Anteil Pflegebedürftiger. In den Umlandkreisen Rendsburg-Eckernförde (2,9 Prozent) sowie Segeberg und Plön (3 Prozent) liegt der Anteil deutlich geringer. Die geringste Quote hat die Landeshauptstadt Kiel mit 2,6 Prozent. Sie hat durch die Universität und die vielen Studenten aber auch eine ganz andere Altersstruktur als Neumünster.

Das berichtet die Techniker-Krankenkasse (TK) unter Berufung auf die aktuelle Pflegestatistik des Statistikamts Nord. Als pflegebedürftig gilt, wer im täglichen Leben, etwa bei der Körperpflege oder Ernährung, auf Hilfe angewiesen ist und eine Pflegestufe hat, erläutert Volker Clasen von der TK.

Von den 2960 Menschen wurden fast 62 Prozent zu Hause gepflegt. Bei einem Fünftel übernahm das ein ambulanter Pflegedienst. 42 Prozent wurden ausschließlich von Angehörigen gepflegt, und mehr als ein Drittel lebt in stationären Pflegeheimen.

Elf Alten- und Pflegeheime mit rund 1200 stationären Pflegeplätzen gibt es zurzeit in Neumünster, erläutert Romi Wietzke. Sie leitet das Seniorenbüro der Stadt und auch den Pflegestützpunkt am Großflecken 71. „Der Beratungsbedarf zur Pflege steigt“, sagt sie. Kein Wunder: „Neumünster altert, wie überall. Etwa 30 Prozent der Neumünsteraner gehören zur Altersgruppe 60 plus. In den kommenden 20 Jahren wird der Anteil der Hochbetagten jenseits der 80 deutlich steigen“, so Wietzke. In diesem Alter sei das Risiko der Pflegebedürftigkeit hoch. Das zeigt auch die Statistik. Ende 2011 lag die Zahl der Pflegebedürftigen noch bei 2590. Das entspricht in nur zwei Jahren einem Anstieg um gut 14 Prozent.

In der Stadtverwaltung sehen die Akteure die Demografie als „großes Handlungsfeld“, betont Sozialdezernent Günter Humpe-Waßmuth. In Pflegekonferenzen mit allen Anbietern, aber auch ambulanten und teilstationären Diensten sowie mit der Wohnungswirtschaft sei man ganz intensiv am Thema dran. „Wir übernehmen auch eine wichtige Funktion für die kleineren Gemeinden im Umland“, sagt Humpe-Waßmuth und nennt als Ziel mehr quartierbezogene Lösungen in kleineren Einrichtungen. Dabei laute das Prinzip: ambulant vor stationär. „Ältere Menschen wollen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben“, so Humpe-Waßmuth. Dafür sind auch neue Wohnformen nötig. Humpe-Waßmuth: „Die seniorengerechte Stadt ist für uns ein ganz wichtiges Ziel.“

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