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Arbeitsmarkt : Fast jeder dritte Ausländer ist ohne Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Agentur für Arbeit erwartet durch Flüchtlinge mehr Arbeitslose

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Im Januar stieg die Arbeitslosigkeit in Neumünster zwar wieder in den zweistelligen Bereich auf nun 10,3 Prozent, doch das ist saisonüblich und dem Winterwetter geschuldet. Im Rückblick sprach Michaela Bagger, die neue Geschäftsführerin der Arbeitsagentur, von einem „rundum guten Jahr für den Arbeitsmarkt in Mittelholstein“.

Im Jahresdurchschnitt waren 4200 Menschen in Neumünster arbeitslos gemeldet, das sind gut 5 Prozent weniger als im Mittel 2014. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote ging von 10,9 Prozent im Jahr 2014 auf 10,2 Prozent im vergangenen Jahr zurück. Spitzenmonat war der November 2015 mit einer Quote von 9,4 Prozent.

Erfreulich nannte Michaela Bagger, dass sich dieser positive Trend auch im Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit zeigte. Die sank im Jahresschnitt um 3,5 Prozent auf etwas mehr als 1700 Betroffene. Noch stärker, nämlich um gut 7 Prozent, sank die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren.

Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei gesunken, so Michaela Bagger: „Das ist keine neue, aber erfreuliche Tendenz.“ Ihre Hypothese: Die Unternehmen versuchen, dringend benötigte Fachkräfte auch in schwierigen Situationen zu halten. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen und allgemein die der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist gestiegen. Jobtreiber sind hier eindeutig der Handel sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Trotz der wirtschaftlich guten Rahmenbedingungen gibt es aber auch schlechte Zeichen vom Arbeitsmarkt. Entgegen dem Trend erhöhte sich die Zahl der älteren Arbeitslosen (über 50 Jahre) leicht um 0,7 Prozent auf 1260. Einen deutlichen Anstieg um 6 Prozent auf knapp 700 verzeichnete die Agentur bei den Ausländern. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde war der Anstieg mit fast 25 Prozent deutlich höher. „Hier zeigt sich die Zunahme bei Asylbewerbern“, sagte Michaela Bagger. Die meisten melden sich bei den Jobcentern. Die Arbeitsagentur ist für diejenigen zuständig, die noch im Asylverfahren sind oder einen Status als geduldete Flüchtlinge haben.

In Neumünster sind die Steigerungsraten noch so niedrig, weil hier erst ab Oktober feste Flüchtlingskontingente aufzunehmen sind. Bagger erwartet, dass sich die Zahl der Arbeitslosen mittelfristig durch die Zuwanderung erhöhen wird. „Ihre Integration in den Arbeitsmarkt wird im Regelfall nicht kurzfristig gelingen. Im Vordergrund steht bei ihnen zunächst die sprachliche und berufliche Qualifizierung.“

Auch bei den schon länger hier lebenden Ausländern bleibt die Arbeitslosigkeit eine große Herausforderung. In Neumünster beträgt die Quote inzwischen 29,5 Prozent. Das heißt: Fast jeder Dritte ist ohne Job. Die Ursachen sind bekannt und eigentlich überall gleich, sagte Bagger: „Je geringer das Niveau der Bildungs- und Berufsabschlüsse, um so höher ist das Risiko, arbeitslos zu werden.“

Standpunkt

Langer Atem ist nötig

Nicht jeder Flüchtling aus Syrien ist Arzt oder Ingenieur. Es kommen nicht nur studierte Fachkräfte, sondern  auch viele Ungelernte, ja Analphabeten. Ihre Integration in die Gesellschaft, und das heißt auch in den Arbeitsmarkt, wird keine leichte Aufgabe werden. In Neumünster wird sich das  2016 noch nicht abbilden, könnte aber 2017 die Bilanz verhageln.  Hier ist ein langer Atem nötig. Die hier Asyl suchenden Menschen sind vielleicht nicht die Fachkräfte von heute und morgen. Aber wir werden sie benötigen. Spätestens übermorgen.


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