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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 13:26 Uhr

Hammerangriff : Familienvater vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein 58-Jähriger muss sich wegen Körperverletzung verantworten.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Er soll mit einem Hammer auf seine Tochter und seine Frau losgegangen sein – seit gestern muss sich deshalb ein Mann (58) vor dem Schöffengericht Neumünster verantworten. Die Frau (47) wurde bei dem Angriff am 21. August vergangenen Jahres schwer am Hinterkopf verletzt. Vor Gericht wurde jetzt deutlich: Es waren nicht die ersten Schläge. Eine weitere Tochter soll der Angeklagte einst mit einem Besenstiel verletzt haben.

Die Anklage wirft dem Mann gefährliche Körperverletzung vor. Zu Prozessbeginn schilderte der Staatsanwalt mit knappen Worten, wie sich die Tat in Büdelsdorf zugetragen haben soll: Bereits am Mittag habe sich der Angeklagte damals über eine Bemerkung einer seiner Töchter geärgert und ihr mit einem Besenstiel „wuchtig auf den Arm geschlagen“, hieße es. Am späten Abend gab es demnach wieder Streit mit der heute 16-Jährigen, weil sie mit ihrem Handy spielte. Der Familienvater habe „das Mädchen an den Haaren gerissen, bis es zu Boden ging“, sagte der Staatsanwalt. Dabei sei die Zahnspange der Jugendlichen zerbrochen.

Die Mutter habe den Mann von dem Mädchen weggezogen. Daraufhin soll der 58-Jährige einen Hammer aus seinem Zimmer geholt und mindestens vier Mal auf den Hinterkopf seiner Frau geschlagen haben. Als die ins Zimmer einer anderen Tochter floh, habe er auch diese Tochter mit dem Hammer traktiert. Auch die Frau soll einen weiteren Schlag abbekommen haben.

„Der Angeklagte hat lebensgefährliche Verletzungen zumindest in Kauf genommen“, sagte der Staatsanwalt. Die Ehefrau soll durch die Schläge zwei große klaffende Platzwunden am Hinterkopf erlitten haben. Sie musste stationär im Krankenhaus versorgt werden. Die Tochter trug unter anderem eine blutende Riss-Quetsch-Wunde am Kopf davon.

Der 58-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Dafür redete seine Frau, die mittlerweile die Scheidung eingereicht hat. Sie zeichnete das Bild eines langen Leidensweges. So habe ihr Mann, der wie sie vor Jahrzehnten aus dem Libanon nach Deutschland gekommen war, sie „schon immer geschlagen und beschimpft“. Sie habe zwar manchmal überlegt, ihn zu verlassen, „aber ich habe Kinder. Wo soll ich hin?“, sagte sie. Das einstige Paar hat einen Sohn und sechs Töchter im Alter von 7 bis 18 Jahren. Im Februar 2016 sei die Mutter dennoch in ein Frauenhaus gegangen. Fast alle Kinder folgten ihr. Doch auf Druck ihres Bruders und anderer Familienmitglieder ging sie einige Wochen später zu ihrem Mann zurück.

Auch die 16 Jahre alte Tochter berichtete von Schlägen und Beschimpfungen. Sie und ihre Geschwister hätten oft versucht, die Mutter zu überreden, den Vater zu verlassen. „Sie wollte aber nicht, weil sie nicht wollte, dass wir ohne Vater aufwachsen.“

Nach der Rückkehr aus dem Frauenhaus riss sich der Mann offenbar eine Weile zusammen, doch dann gab es erneut Streit und Schläge. Am Tattag habe sie ihrem Mann nach dem ersten Übergriff auf die Tochter gesagt, dass sie fortan mit ihren Kindern alleine leben wolle. Daraufhin habe er den Hammer geholt und plötzlich zugeschlagen. Das hatten ihm seine Frau und die Töchter bisher nicht zugetraut. „Wir hätten nicht gedacht, dass er sie mit einem Hammer schlagen wird“, sagte die 16-Jährige. Auch die Frau sagte, sie habe geglaubt, „er schlägt mich mit der Hand“. Der Prozess wird am 28. Februar fortgesetzt.

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