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Wasbek : Familiendrama erschüttert die Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gegen 2.30 Uhr fielen Schüsse auf dem Hof. Vater (48) und Sohn (22) sind tot. Die Mordkommission aus Kiel sicherte gestern Spuren

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erstellt am 24.Nov.2015 | 19:16 Uhr

Wasbek | Über dem Birkenhof in Wasbek-Feld lag gestern eine gespenstische Stille. Das große Gehöft liegt einsam weit ab vom Dorf; es gibt nur wenige Nachbarn. Nur ein Flatterband der Polizei und mehrere zivile Fahrzeuge ließen erahnen, dass hier in der Nacht etwas Schreckliches passiert war.

Gegen 2.30 Uhr waren plötzlich Schüsse von dem Hof zu hören. Später stieg Leuchtmunition in den finsteren Himmel. Männer mit Spürhunden durchkämmten die Gegend. Die Polizei suchte einen Mann mit einem Gewehr.

Es war eine Mitarbeiterin des Hofes, die gegen 2.30 Uhr Polizei und Rettungsdienst gerufen hatte. Als die Einsatzkräfte wenig später vor Ort eintrafen, bot sich ihnen ein Bild des Grauens: Eine Frau (45) lag mit schweren Schussverletzungen vor dem Haus. Ihr Mann (48) lag tot im Haus. Gestern sprach alles dafür, dass der eigene Sohn (22) eine Waffe gegen die Eltern gerichtet hatte. Die schwer verletzte Frau wurde von den Spezialkräften geborgen, sofort ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Sie soll außer Lebensgefahr sein.

„Ich bin gegen 4 Uhr aufgeschreckt. Plötzlich wurde mit Leuchtpistolen geschossen. Zuerst dachte ich, im Wald brennt es“, berichtete eine Wasbekerin am Vormittag noch völlig schockiert. Wenig später sah sie Ermittler mit Suchhunden durch das Gelände laufen. „Die Polizei hatte alles abgesperrt. Einige Anwohner wurden gewarnt, dabei hieß es: ‚Da läuft noch ein junger Mann mit einer scharfen Waffe herum‘“, sagte die Frau entsetzt.

Polizeisprecher Rainer Wetzel bestätigte, dass Spezialkräfte nach der Bluttat stundenlang in dem waldigen, weitläufigen Gebiet nach dem Schützen suchten. „Weil mindestens eine Schusswaffe benutzt worden war, wurden die nächsten Anwohner gewarnt“, hieß es von Seiten der Ermittler. „Bei der Suche nach dem Mann wurden sowohl Hunde eingesetzt als auch Leuchtmittel, um die Umgebung kurzzeitig aufzuhellen“, so der Sprecher. Erst nach fünf Stunden, gegen 7.30 Uhr, wurde der junge Landwirt auf einem Hochsitz in der Nähe gefunden. Auch er war tot. Offenbar hatte er sich nach den Schüssen auf seine Eltern das Leben genommen.

Den ganzen Tag über ermittelten Beamte der Mordkommission aus Kiel gestern vor Ort. Gegen 12.30 Uhr fuhr ein Leichenwagen im Nieselregen vom Hof.

In Wasbek machte die Nachricht von dem Familiendrama gestern schnell die Runde. „Ich kenne die Leute. Da war nichts Auffälliges. Der Sohn hat immer ganz freundlich gegrüßt. Alles ganz normal“, sagte eine Frau. Sie wusste aber auch, dass Vater und Sohn beide Jäger waren. Die Polizei bestätigte gestern diese Angaben. „Es wurden mehrere Jagdwaffen sichergestellt. Es waren legale Waffen“, sagte Rainer Wetzel.

In Wasbek wird natürlich spekuliert, wie es zu diesem Familiendrama kommen konnte. Eine Antwort hat niemand. Der Hof gilt weithin als exzellent geführter Musterbetrieb, den der nun verstorbene Bauer stark ausgebaut hatte. Der Sohn hatte seine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und ging zur Meisterschule. Alles sah aus, als wüchse hier der Nachfolger für den Hof heran, der seit mehreren Generationen der Familie gehört. Manch Wasbeker will aber auch mitbekommen haben, dass Vater und Sohn sich über die Zukunft des Hofes und den Termin der Übergabe gestritten hatten. Die Familie hat noch eine Tochter, die aber nicht mehr zu Hause wohnt.

Wasbeks Bürgermeister Karl-Heinz Rohloff zeigte sich gestern völlig schockiert. Er habe die Nachricht am frühen Morgen vom Wehrführer erfahren. „Wir sind alle sehr erschüttert und in Gedanken bei der Familie“, sagte er. Er kenne die Familie sehr gut, sie sei im Dorf gut vernetzt und sehr tüchtig. „Und von
einem Moment zum anderen ist
nichts mehr, wie es war“, sagte Rohloff.

Auch Wehrführer Heinrich Kühl war erschüttert. „Der Sohn war Mitglied in der Feuerwehr, immer nett, fleißig und freundlich. Für die Zeit seiner Ausbildung hatte er sich aber beurlauben lassen. Wir alle kannten die Familie gut und können es nicht fassen“, sagte Kühl.

Wie es nun auf dem Birkenhof weitergehen soll, ist völlig offen. Mehrere Landwirte aus dem Dorf boten gestern ihre Hilfe bei der Versorgung der Tiere an.

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