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Gerichtsbericht : Falsches Spiel mit illegalen Waffen?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Sportschütze kämpft um seinen guten Ruf.

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Neumünster | Die Fakten sind unstrittig: Im August vergangenen Jahres stieß die Polizei bei einer überraschenden Hausdurchsuchung in einer Neumünsteraner Umlandgemeinde auf eine illegale Waffe. Die Exfreundin des Hausbesitzers, ein erfolgreicher Manager und begeisterter Sportschütze, hatte der Polizei einen heißen Tipp gegeben. In einem aufgebohrten Wandtresor stellten die Beamten schließlich einen Trommelrevolver sicher, für den der Hausbesitzer keinen Waffenschein besitzt. Eine zweite illegale Waffe fand die Polizei zeitgleich in der Münchner Zweitwohnung des Mannes.

Gestern musste sich der 48-jährige Geschäftsmann dafür vor dem Amtsgericht verantworten. Trotz der scheinbar klaren Sachlage tat sich das Gericht allerdings schwer, der Wahrheit auf die Schliche zu kommen.

Die spannende Frage, die sich in der dreieinhalbstündigen Verhandlung immer wieder stellte: Hätte nicht auch die Exfreundin, wie vom Angeklagten behauptet, Gelegenheit gehabt, ihm die Waffen unterzuschieben?

Das Motiv dafür war gestern im Gerichtssaal für jeden greifbar: Ganz offensichtlich fühlte sich die Frau von ihrem Expartner schwer gekränkt, nachdem der seine frühere Verlobte wiederentdeckt und erneut schätzen gelernt hatte.

War die Anzeige wegen illegalen Waffenbesitzes etwa nur ein Racheakt? Hatte sie die Waffe im Tresor versteckt, um sich an ihrem Ex zu rächen?

Gelegenheit dazu hätte sie gehabt, denn auch nach der Trennung von dem Geschäftsmann, der sich jetzt überwiegend in seiner Münchner Wohnung aufhielt, bewohnte die 54-Jährige weiterhin die Wohnung bei Neumünster.

Dem Angeklagtem zufolge hätte sie sich dabei mühelos Zugang zu dem Tresor verschaffen können, in dem der Revolver sichergestellt wurde. Die Frau selbst bestritt, jemals Tresorschlüssel besessen zu haben, berichtete dafür aber, dass ihr Freund ihr bereits zu Beginn ihrer Beziehung von den illegalen Waffen erzählt und ihr eingeschärft habe, dass niemand davon wissen dürfe.

Ihre heute 21-jährige Tochter bestätigte das im Kern. Auch ihr habe er die Waffen gezeigt, sagte sie vor Gericht aus. Weil nie darüber gesprochen werden durfte, seien sie im hausinternen Sprachgebrauch stets nur als „die Luft“ bezeichnet worden, – eine Formulierung, die zuvor auch ihre Mutter in ihrer Aussage benutzt hatte.

Allerdings: Auch die Glaubwürdigkeit der Tochter weist tiefe Risse auf. Dokumentiert ist eine E-Mail aus der Zeit wenige Wochen vor der Anzeige durch die Mutter, in der sie ihren ungeliebten „Stiefvater“ übel beschimpft und ihm unverhohlen droht, sie werde „dafür sorgen, dass Du alles verlierst“. Hat sich die Tochter mit ihrer Mutter gegen deren Ex abgesprochen?

Mehr Licht ins Dunkel soll jetzt die Vorladung des Mannes bringen, der der Exfreundin zufolge die illegalen Waffen für den Angeklagten besorgt hat. Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.

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