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Gerüchte bei Facebook : Falscher Mord hielt die Polizei in Atem

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schon auf dem Kantplatz berichtete ein Neonazi von einer angeblichen Gewalttat am Bahnhof.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 07:30 Uhr

Neumünster | Die Demonstrationen beider Seiten waren längst beendet, da hatten die Ermittler noch alle Hände voll zu tun. Schuld daran war eine Falschmeldung, die Vertreter der Neonazis in den sozialen Netzwerken verbreiteten: Angeblich war einer aus ihren Reihen in Neumünster erschlagen worden.

Am Sonnabendabend war unter anderem in der Facebookgruppe „Neumünster wehrt sich“, die zu der Kundgebung in der Böcklersiedlung eingeladen hatte, zu lesen: „Vermutlich musste ein junger Aktivist aus Rostock sein Leben lassen, als er auf dem Wege war, unserer Kundgebung beizuwohnen. Auf dem Gelände des Hauptbahnhofs in Neumünster wurde er heimtückisch von kriminellen aus der Antifa-Szene niedergeknüppelt und erlag im FEK Neumünster seinen Kopfverletzungen.“ Bereits am frühen Nachmittag während der Kundgebung auf dem Kantplatz hatte der Hamburger Neonazi Thomas W. von einem angeblichen Übergriff am Bahnhof und einem Schwerverletzten berichtet.

„Es liefen umfangreiche Ermittlungen der Polizei an. Es wurden alle Bahnhöfe in Neumünster abgesucht. Dabei wurden weder eine Person noch Spuren, die auf ein solches Geschehen hinwiesen, gefunden. Über das Friedrich-Ebert-Krankenhaus hinaus wurden landesweit alle Krankenhäuser über die Leitstellen der Polizei abgefragt. Nirgends war eine entsprechend verletze Person eingeliefert worden“, erklärte Polizeisprecher Rainer Wetzel.

Am späten Abend ruderte die rechte Szene denn zurück. Der Münchner Stadtrat Karl Richter, der wenige Stunden zuvor selbst als Redner auf dem Kantplatz aufgetreten war, zog die angebliche Mordgeschichte als Falschmeldung zurück. Er erklärte, es gäbe „weder im Krankenhaus noch bei der Polizei eine Bestätigung für den angeblichen Todesfall eines von Linken überfallenen Kameraden“. Vielmehr sei „der Verursacher der falschen Todesmeldung identifiziert“ worden. Man bitte darum, die „Todesmeldung nicht weiter zu verbreiten. Sie ist vielmehr zurückzunehmen“, hieß es. Gelöscht wurde die falsche Mordgeschichte in den sozialen Medien aber dennoch nicht. Offenbar gehen die Spekulationen weiter.

„Die Ermittlungen der Polizei werden fortgeführt“, erklärte Polizeisprecher Rainer Wetzel. Immerhin hätte man in dem Dementi den Verursacher aus den eigenen Reihen nicht preis gegeben.

Ob die falsche Mordgeschichte aus Neumünster mit einem ähnlichen Vorfall in Oschersleben (Sachsen-Anhalt) zusammenhängt, wo am selben Tag bei einer Auseinandersetzung zwischen rechten und linken Demonstranten am Bahnhof ein Mann schwer verletzt wurde, ist fraglich. Immerhin ereignete sich die Gewalttat in Sachsen-Anhalt laut Polizei erst gegen 16.45 Uhr. Da war die erste Kunde von einem angeblichen Überfall in Neumünster bereits mehr als zwei Stunden alt.

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