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Grosse Auszeichnung : Fallada-Preis als Geburtstagsgeschenk

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Schweizer Autor Jonas Lüscher traf gestern zur Preisverleihung in Neumünster ein. Sein Erstlingswerk brachte ihm Erfolg.

Neumünster | Für den Schriftsteller Jonas Lüscher (39) war der Fallada-Preis ein echtes Geburtstagsgeschenk. Gestern Nachmittag, wenige Stunden vor der feierlichen Preisverleihung, erinnerte sich der Schweizer Essayist und Erzähler noch einmal amüsiert „an den denkwürdigen Morgen“, als er einen Anruf aus der ihm bis dahin völlig unbekannten Stadt Neumünster bekam. Der 17. Fallada-Preisträger war gerade auf Recherchereise in Kairo, als ihn Dr. Klaus Fahrner, Leiter der Stadtbücherei, genau am Morgen seines 39. Geburtstags auf dem Handy anrief und zu der mit 10  000 Euro dotierten Auszeichnung gratulierte. „Da wurde ich in der Früh schön beschenkt. Am Abend habe ich den Preis dann mit Freunden mit ägyptischem Wein und Bier in einer Bar begossen“, erzählte er.

Der Fallada-Preis, der von der Dr.- Hans-Hoch-Stiftung unterstützt wird, wird seit 1981 an Schriftsteller aus dem deutschsprachigen Raum vergeben, die in literarisch bedeutsamer Form Gegenwartsprobleme und deren politisch-sozialen Hintergrund beleuchten. Nach Lukas Bärfuss (2010) ist Jonas Lüscher der zweite Schweizer, der ihn erhält.

Geehrt wird Lüscher für sein Debüt-Werk, die Novelle „Frühling der Barbaren“, die 2013 erschien. Das Buch erhielt vier weitere Preise und wurde bereits in 14 Sprachen übersetzt. Der Autor schildert darin mit philosophischem Ernst und komisch zugleich die Auswirkungen der Finanzkrise auf eine Gruppe junger Londoner Spekulanten, die sich gerade in einem tunesischen Oasenressort zu einer Hochzeitsfeier treffen.

„Es ist ja ein eher spätes Debüt. Ich habe vorher viel Unterschiedliches gemacht“, erklärte der Preisträger. Der Schweizer wuchs in Bern auf und wurde erst einmal Grundschullehrer. Mit 22 Jahren zog er nach Deutschland – erst nach Köln, später nach München, wo er heute noch lebt. Er arbeitete dort erst als Drehbuchentwickler in der Filmindustrie und „schrieb nebenbei sechs, sieben Jahre an einem Roman, der aber nie veröffentlicht wurde – und es auch nicht mehr wird“, so Lüscher. Nach einem Philosophiestudium unterrichtete er eine Zeit lang Philosophie und Ethik und begann eine Dissertation in Zürich, die er aber vor einem Jahr abbrach – zugunsten eines neuen Romans.

„Ich bin kein Fallada-Spezialist. Ich habe ihn erst vor drei, vier Jahren spät entdeckt – vielleicht, weil er nicht zum Schweizer Schulkanon gehört“, erklärte der Autor bescheiden. Doch das Werk beeindruckt ihn. „Bauern, Bonzen und Bomben“ hat ein unglaublich komplexes Figurenkabinett. Ich las es mit Vergnügen“, sagte Lüscher. Wo Neumünster ist, weiß er längst. Im Beisein seiner Frau, der Schauspielerin und Regisseurin Ulrike Arnold, wurde ihm gestern Abend der Preis im Theater in der Stadthalle verliehen.

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erstellt am 10.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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