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Boostedt : Fall Fabian Pee ist Thema in der Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach dem Bericht bei „Stern-TV“: Schaulustige wollen das Haus sehen

Der 20 Jahre zurückliegende Fall von Misshandlung in Boostedt war gestern das Thema Nummer 1 in der Gemeinde. Vorgestern Abend hatte Steffen Hallaschka in „Stern-TV“ über den Fall Fabian Pee berichtet. Der heute 28-Jährige Bordesholmer und sein Zwillingsbruder sollen in einer Pflegefamilie in Boostedt über zehn Jahre misshandelt worden sein. Fabian Pee hat darüber ein Buch geschrieben (der Courier berichtete).

Nach dem ausführlichen TV-Beitrag, in dem Fabian Pee auch interviewt wurde, wird der Fall in Boostedt diskutiert. „Ich habe mir die Sendung angeschaut. Darauf aufmerksam gemacht hat mich eine Nachbarin, die in der Zeitung gelesen hatte, dass darüber berichtet wird. Ich kann kaum glauben, dass alles so geschehen sein soll“, sagte eine 59-jährige Boostedter Verkäuferin. Sie bewundere den Mut der ehemaligen Sportlehrerin, vor die Kamera zu treten. Die Lehrerin Arnhild Frahm-Pries erklärte in dem Beitrag, dass beide Jungen bis auf ihre verschmutzte Unterwäsche nicht auffällig gewesen seien.

Mittlerweile suchen auch Schaulustige das Haus, in dem die Zwillinge lebten, bis die Schwester der Pflegemutter 1994 Anzeige erstattete. Die neue Mieterin des Hauses zeigte sich gestern vom Strom der Schaulustigen genervt. Im Schritttempo umkurven Autos das Eckgrundstück, und die Insassen beäugen alles neugierig. „Wir sind leider nach der Sendung zu einem Schauobjekt geworden“, sagte sie.

Gestern äußerte sich auch ein Anwohner. Gerhard Falk (78) ist ein direkter Nachbar und erklärte dem Courier: „Ich wohne seit 43 Jahren hier und kenne sowohl die Pflegekinder als auch die Pflegeeltern. Das Buch von Fabian Pee habe ich zwar nicht gelesen, aber was er bei Stern-TV berichtete, habe ich persönlich nie beobachten können.“ Falk ist pensionierter Polizeibeamter und beschreibt die Pflegemutter als resolute Frau. Seiner Erinnerung nach haben die beiden Jungen damals zum Beispiel im Garten mitgeholfen und gespielt, seien freundlich und höflich zu allen Nachbarn gewesen. Dass einer oder beide aus Hunger die Abfalltonnen durchsucht haben sollen, habe die gesamte Nachbarschaft nicht gesehen, meint Falk. „Das hätten wir mitbekommen und auch entsprechend reagiert. In einem Umfeld wie hier, in dem Nachbarn gut miteinander auskommen, wäre so ein auffälliges Verhalten mit Sicherheit zur Sprache gekommen“, sagte Gerhard Falk.

Boostedts Bürgermeister Hartmut König findet es sehr bedauerlich, dass der Name der Gemeinde nun mit so einem Fall verbunden ist, über dessen Wahrheitsgehalt er sich kein Urteil erlauben könne. „Da sich aber zu jeder Zeit und an jedem Ort so etwas ereignen kann, gehört mein großes Mitgefühl den Opfern“, sagte der Bürgermeister.




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erstellt am 28.Feb.2014 | 05:30 Uhr

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