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Bahnhof : Fahrstuhl steht seit sechs Wochen still

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rollstuhlfahrer Oliver Stöver ärgert sich über die schleppende Reparatur auf dem Bahnhof

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Frustrierte Bahnkunden greifen gerne mal auf Galgenhumor zurück: „Aufzug außer Betrieb!“ steht in großen Lettern auf einem Zettel im Bahnhof am Fahrstuhl zu den Gleisen 5 und 6. – „Für immer?“ hat ein Scherzbold darunter gekritzelt. Bahnkunde Oliver Stöver (41) kann darüber schmunzeln („Ich war’s nicht!“), findet die Sache selbst aber schon lange nicht mehr lustig: Seit mehr als sechs Wochen wartet der Rollstuhlfahrer auf eine Reparatur des defekten Fahrstuhls. Mehrmals wurde er von der Auskunft vertröstet.

Für den Gadelander, der regelmäßig und deutschlandweit mit der Bahn unterwegs ist, ist der elektronische Stillstand mit reichlich Mühen verbunden. Für jede Bahnfahrt Richtung Hamburg muss er sich jetzt immer zwei Tage vorher verbindlich anmelden. Dann kann die Bahn den entsprechenden Zug an einen anderen Bahnsteig umleiten – wenn es denn fahrplanmäßig passt! Wenn nicht, ist Stöver auf die Hilfe freundlicher Bahnmitarbeiter angewiesen, die ihn und seinen Rollstuhl die Treppen hinauftragen. Die haben allerdings nicht immer die Zeit dafür. „Bahnfahren ist für mich Glückssache geworden“, klagt Stöver.

Als erfahrener Bahnkunde, der auf den Rolli angewiesen ist, weiß er sehr wohl, dass ein Aufzug immer mal für ein paar Tage ausfallen kann. „Auch in Neumünster ist das schon passiert, und jeder hat Verständnis dafür“, sagt der Gadelander: „Was ich nicht verstehe, ist, warum das so lange dauert!“ Den 27. Februar hat er zuletzt als neuen Reparaturtermin genannt bekommen. „Das wären dann neun Wochen Stillstand – und neun Wochen Behinderungen für gehbehinderte Bahnkunden“, klagt Stöver.

Ganz soweit soll es jetzt doch nicht kommen: „Wir bemühen uns, die Schäden bis spätestens kommenden Montag zu beheben. Das haben uns die Techniker jetzt zugesichert“, sagte gestern eine Mitarbeiterin der Bahn-Pressestelle in Hamburg zum Courier.

Das Problem: Kurz vor Weihnachten hatte der Sturm über Neumünster die Dachabdeckung des Aufzugs auf dem Bahnsteig heruntergefetzt. Trotz einer provisorischen Abdeckung war in den Regentagen um Weihnachten Wasser eingedrungen und hatte die empfindliche Elektronik des Aufzugs außer Gefecht gesetzt. Die Techniker hätten die Anlage erst trockenlegen müssen, bevor sie mit der Fehlersuche überhaupt beginnen konnten, erklärte die Sprecherin gestern die Verzögerungen. Die Bahn bemühe sich mit Blick auf ihre Kunden aber um eine schnellstmögliche Behebung der Schäden, sagte sie.

Bahnkunde Oliver Stöver mochte das gestern offenbar noch nicht so recht glauben: „Na, warten wir es erstmal ab!“

STANDPUNKT

Nein, wir wollen mal nicht das böse Wort von der Bummelbahn bemühen, nicht auf den   Verspätungen und defekten Klimaanlagen in ICE-Zügen herumreiten.  Immerhin  ist die Bahn in diesem Fall nachweislich – und anerkannterweise – bemüht, die Behinderungen ihrer Kunden gering zu halten. Um ihren Kunden Oliver Stöver trotz des kaputten Fahrstuhls Bahnfahrten Richtung Hamburg zu ermöglichen, werden  Züge sogar auf andere Gleise  umgeleitet, die für den Rollstuhlfahrer erreichbar sind. Bravo.

Eine Lösung des Problems ist das allerdings nicht. Und ein  echtes Krisenmanagement sieht eben anders aus. In jedem normalen Hochhaus wäre der ausgefallene Fahrstuhl nach angemessener Wartezeit  ein  Grund zur Mietminderung.  Warum die Reparatur des Aufzugs sich über  sechs Wochen hinzieht, kann die Bahn nicht wirklich erklären. Auch wenn es vor Ort   viele bemühte Bahner gibt, die helfen wollen: So vergrault man treue  Kunden.

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