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Demografischer Wandel : Fahrschulen bangen um ihre Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es kommen immer weniger junge Fahrschüler. Der „Lappen“ hat heute nicht mehr den Stellenwert wie früher. In den Städten ist besserer öffentlicher Nahverkehr ein Grund dafür.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 06:30 Uhr

Neumünster | Für Jan-Philipp Christophersen war es gar keine Frage: „Für mich stand schon früh fest, dass ich mit 17 Jahren den Führerschein mache“, sagt der Gymnasiast aus der Gartenstadt, der in der kommenden Woche seine theoretische Prüfung hat. Doch wie er denken offenbar immer weniger Altersgenossen in Neumünster. Nach Auskunft von Andreas Klung, Inhaber des Fahrschultreffs und stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes im Bereich Kiel-Neumünster, sank die Zahl der jungen Fahrschüler in den vergangenen Jahren um 10 bis 20 Prozent. „Und die geburtenschwachen Jahrgänge kommen erst noch“, sagt er. Für die insgesamt 26 Fahrschulen in der Stadt und im unmittelbaren Umland bedeutet dies: Die Zeiten werden härter.

„Die Spielekonsole, das Internet oder der Sportverein sind heute für junge Menschen viel wichtiger als der Lappen“, sagt Andreas Klung. Er berichtet von Fahrschülern, die oft mehrere Wochen dem Unterricht fern bleiben, weil sie lieber Fußball spielen, chatten oder sich um ihr Pferd kümmern. Entsprechend sind einige seiner Kunden bereits seit mehreren Jahren bei ihm geführt. Bei einem durchschnittlichen Preis von 1700 bis 2000 Euro für den Führerschein überlegten viele Jugendliche heutzutage auch zweimal, ob sie ihr Geld dafür ausgeben wollen. „Wenn der Druck nicht so groß ist, fließt das Ersparte heute eher in andere Dinge“, sagt Klung. Entsprechend ist der Altersdurchschnitt der Fahrschüler in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. „Manche kommen dann mit Anfang oder Mitte 20, wenn sie eine Familie mit kleinen Kindern haben oder Karriere machen wollen und dafür fahren müssen“, so Klung.

Doch auch das ist längst nicht mehr selbstverständlich. „Der Stellenwert und die Faszination des Führerscheins haben vor allem in den Städten in Schleswig-Holstein sowie im Hamburger Umland deutlich verloren“, bestätigt auch Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes im Land. Den Grund dafür sieht er vor allem im besseren öffentlichen Nahverkehr und in der Digitalisierung der Arbeitswelt.

Und noch ein weiteres Problem beschäftigt die Fahrschulen im Land wie auch in der Stadt: der fehlende qualifizierte Fahrlehrer-Nachwuchs. Die Bundeswehr ist als Ausbilder weitgehend weggefallen. „Früher machte man dort seine Qualifikationen und wechselte später in die Privatwirtschaft“, sagt Frank Walkenhorst. Wer heute Fahrlehrer werden will, muss erst einmal ordentlich Geld mitbringen. Die mindestens einjährige Ausbildung kostet „locker 10.000 Euro“, so Andreas Klung. Zudem müsse man als Fahrlehrer neben dem Auto- auch einen Lkw- und einen Motorradführerschein vorweisen, um ausbilden zu können. „Der Markt wird sich daher mittelfristig wohl bereinigen“, prognostiziert er.

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