Neumünster : Fahrrad-Demo gegen den "Club 88"

Mit lautem Klingeln fuhr die Fahrrad-Demonstration über den Großflecken. Foto: Steinhausen
1 von 3
Mit lautem Klingeln fuhr die Fahrrad-Demonstration über den Großflecken. Foto: Steinhausen

Der "Club 88" ist vielen Neumünsteranern ein Dorn im Auge. Knapp 50 Radler protestierten mit einer Tour von der Innenstadt nach Gadeland gegen Neonazis.

Avatar_shz von
02. Oktober 2012, 12:46 Uhr

Neumünster | Auch das Wetter hielt sie nicht ab: Knapp 50 Radler kamen am Sonnabendvormittag im Innenhof des Rathauses zusammen, um gemeinsam zu einer Erinnerungs- und Mahnfahrt Richtung Gadeland aufzubrechen. Aufgerufen hatte das Bündnis gegen Rechts. Kurz bevor sich die Gründung des umstrittenen Neonazitreffs "Club 88" an der Kummerfelder Straße Anfang Oktober zum 16. Mal jährt, wollten die Organisatoren mit der "Fahrraddemo gegen das Vergessen" an rechtsextreme Aktivitäten erinnern. Am Anfangs- und Endpunkt der Tour gesellte sich auch die Piraten-Politikerin Angelika Beer dazu. An der Fahrradtour selbst nahm die Landtagsabgeordnete aber nicht teil.
Vier Stationen wurden angefahren: An der Gedenktafel am Rathaus beleuchtete Christof Ostheimer vom Bündnis gegen Rechts unter anderem aktuelle Aktionen der Neonazis und warnte vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, die Rechtsextremen den Nährboden bereite. Henning Möbius vom Runden Tisch für Toleranz und Demokratie informierte über die Arbeit mit allen gesellschaftlichen Gruppen in der Stadt.
Laut klingelnd durch die Stadt
Mit lautem Klingeln setzte sich die Gruppe schließlich mit Polizeibegleitung in Bewegung, fuhr einmal den Großflecken rauf und runter und über den Haart zur Tizianstraße. Dort informierte Tosten Döhring, stellvertretender Beauftragter für Flüchtlings- und Asylfragen des Landes, über die Arbeit des Cafés Vis-à-vis als Anlaufstelle für Asylbewerber. Am Haart, Ecke Eduard-Müller-Straße schilderte Ingo Schumann vom Bündnis gegen Rechts die Geschichte der Kösterschen Fabrik und thematisierte dabei auch die Enteignung der jüdischen Gesellschafter Adler und Oppenheimer unter dem NS-Regime.
Im strömenden Regen erreichte die Fahrrad-Demo schließlich die Ecke Segeberger Straße/Kummerfelder Straße, wo Ulrike Schumann von der katholischen Kirche an das Schicksal des 1943 von den Nazis hingerichteten Geistlichen Eduard Müller erinnerte. Heiner Wadle, Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, machte abschließend auf die rechtsradikalen Strukturen in der Stadt aufmerksam - unter den Augen einer Hand voll Neonazis, die immer wieder aus dem "Club 88" schauten. Der Versuch einiger Demonstranten, noch direkt vor den Neonazi-Treff zu kommen, wurde von der Polizei unterbunden.
Bereits am Vorabend hatte die Schülervertretung der Holstenschule ihre alljährliche "Kulturnacht gegen Rechts" erstmals öffentlich veranstaltet. Mehrere Rockbands spielten vor rund 100 Besuchern auf dem Schulhof. Eine Collage mit Sprüchen gegen Rechts wurde angefertigt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen